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Bergen Stadt „Teamwork ist gefragt“
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt „Teamwork ist gefragt“
14:47 19.09.2018
Wieviele Jahresringe hat dieser Baum? An der Station "Waldarbeit und Holzernte" war für die "Hirsche" Zählen angesagt. Quelle: Christina Matthies
Bergen

SIEDENHOLZ. Schon die Anfahrt lässt den Puls langsamer schlagen. Mitten durch den Lüßwald führt der Weg, an beiden Seiten sattgrüne Bäume, soweit das Auge reicht. Sonne fällt durch die dichtbelaubten Baumkronen, durch das geöffnete Fenster dringt der erdige Geruch nach feuchtem Waldboden herein – es ist ein Spätsommermorgen, wie er im Buche steht. Am Waldpädagogikzentrum Ostheide südwestlich von Unterlüß angekommen, ist es mit der Ruhe allerdings schlagartig vorbei. Von der Rückseite des Gebäudes dringen aufgeregte Kinderstimmen herüber, vor der Haustür weist Försterin Birte Riechers gerade die ehrenamtlichen Helfer ein: Gleich wird hier der Startschuss für die Waldjugendspiele fallen – 80 Viertklässler der Berger Grundschulen sind heute mit dabei.

„Teamwork ist gefragt“, mahnt Riechers noch, bevor sie die Kinder in Kleingruppen auf die spannende Waldrallye schickt, die in zwölf Etappen durch den Wald rund um das Haus Siedenholz führt. „Jede Gruppe fängt bei einer Station an und wandert dann weiter. Und es geht auch gar nicht so sehr ums Gewinnen, sondern darum, dass ihr viele interessante Sachen über den Wald erfahrt – bei der Siegerehrung nachher kriegt jeder einen Preis.“

Das lassen sich Damien, Lasse, Elio, Mark, Alex und Alin von der Dahlhof-Schule in Sülze nicht zweimal sagen. Mit Lehrer Christian Kiwitt im Schlepptau sausen sie los – und man kann den sechs Jungs regelrecht ansehen, wie sehr sie es genießen, an diesem Donnerstagmorgen an der frischen Luft zu sein. „Ich geh' jeden zweiten Samstag mit der NAJU in den Wald“, erzählt der achtjährige Elio unterwegs. „Ich mag das einfach, in der Natur zu sein.“

Seit zehn Jahren organisiert Riechers Waldjugendspiele in Unterlüß, im Auftrag der Niedersächsischen Landesforsten koordiniert die Försterin Bildungsangebote im Bereich Wald- und Umweltpädagogik in der Region Ostheide. „Man kann mit Lehrbüchern noch so viel über das Ökosystem Wald machen – aber hier draußen, das ist einfach ganz was anderes“, findet sie. Heute gebe es einfach nicht mehr die klassische Kindheit in der Natur, daher sei es wichtig, dass die Kinder den Wald unmittelbar vor Ort erfahren. „Wir wollen der Naturentfremdung entgegenwirken“, sagt Riechers. Es sei heutzutage nicht mehr alltäglich, den Kreislauf Wald, zu dem neben Naturschutz eben auch die nachhaltige Nutzung gehöre, zu erleben. „Jeder möchte Holz statt Plastik – dass dafür aber ein Baum gefällt werden muss, vergessen die meisten.“

Deswegen zählen zu den zwölf Stationen, an denen die Viertklässler heute unter anderem Tierspuren lesen, Baumarten bestimmen oder sich im Zapfenweitwurf messen müssen, auch Stationen wie Waldarbeit und Holzernte – hier werden die Kinder spielerisch über diese Themen informiert. Die sechs Jungs der Dahlhof-Schule Sülze haben inzwischen die Etappe „Wildschwein“ erreicht. „Kommt ruhig näher und seht euch erstmal in Ruhe um“, winkt Betreuer Julian Meyer die Gruppe heran. Fell, Schädel und Gewaff eines Wildschweins sind da zu seinen Füßen auf dem Waldboden platziert. „Dürfen wir das anfassen?“, fragt Lasse (9) neugierig und hockt sich neben seinen Klassenkameraden ins Gras.

Während der neunjährige Damien noch vorsichtig die Eckzähne des Wildschweinschädels befühlt, lässt Meyer die Gruppe ein paar Fragen rund um die imposanten Waldbewohner beantworten. „Wie heißt denn das männliche Wildschwein?“, will er von den Schüler erfahren. „Vaterschwein!“, sagt Alin (9) wie aus der Pistole geschossen – und muss dann doch ein bisschen lachen. Wie der Nachwuchs bei den Wildschweinen genannt wird, wissen die Jungs dann aber schon. „Frischlinge“, rufen die sechs im Chor.

Mit dem heutigen Besuch des Waldpädagogikzentrums Ostheide lassen die Berger Grundschulen eine alte Tradition wieder aufleben. „Früher hat die Landwirtschaftskammer in Sülze regelmäßig Waldjugendspiele organisiert“, berichtet Riechers. Ilsemarie Friedrich, Rektorin der Grundschule Eversen, habe sie irgendwann angesprochen und eine Neuauflage angeregt. „Ich bin dann zu einer Dienstbesprechung gefahren, habe das Projekt vorgestellt und wir haben entschieden, mit den vierten Klassen der Grundschulen in Eversen, Sülze und Bergen sowie der Käthe-Kollwitz-Schule einmal pro Jahr Waldjugendspiele zu veranstalten.“

Dass es den Kindern gefällt, Schulbücher und Schulhefte für einen Tag gegen Tannenzapfen und Waldameisen zu tauschen, ist offensichtlich. „Das macht richtig Spaß“, sagt Lasse begeistert – die Gruppe ist mittlerweile weitergewandert und gerade dabei, die Jahresringe eines abgesägten Baumstammes zu zählen. „37“, staunt Alin, „wow, so alt ist der schon.“

„Bei den Waldjugendspielen geht es nicht ums Gewinnen“, betont Riechers nochmals, „es ist kein Wettkampf und es gibt auch keine Noten. Es geht vielmehr darum, dass die Kinder sich auf spielerische Weise Wissen zum Ökosystem Wald aneignen.“ Sie lacht. „Und wir bekommen durchaus Rückmeldung, dass manche Kinder nach Hause kommen, und dann erstmal über Ameisen referieren.“

Von Christina Matthies

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