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Bergen Stadt Was wird aus Gut Hoppenstedt in Lohheide?
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11:50 06.08.2018
Gut Hoppenstedt war seit den 70er Jahren der Dienstsitz des Brigadiers. Jetzt wird eine Nachfolgenutzung gesucht. Quelle: Tore Harmening
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Das gilt sowohl für die Natur als auch für die derzeitige Situation des Anwesens. Der Besucher betritt durch eine schwere braune Holztür die große leere Eingangshalle mit Steinfliesen, Holzbalkendecke und Kamin. Von dort führt der Weg in die Räume, die mit edlem Parkett oder dicken Teppichen belegt sind.

Im wohl 50 Quadratmeter großen Wohnzimmer steht ein Klavier. Als jemand eine kleine Melodie anspielt, entsteht ein Eindruck davon, wie es hier einmal um die vorletzte Jahrhundertwende gewesen sein muss, als das Anwesen noch der Familie Refardt gehörte. Barbara Rutkowski ist eine geborene Refardt und wohl die letzte aus ihrer Familie, die sich noch schemenhaft an diese Zeit erinnert. Die heute 88-Jährige wurde auf Gut Hoppenstedt geboren und lebte dort bis zu ihrem sechsten Lebensjahr. „Dann haben sich meinen Eltern getrennt und ich bin mit meiner Mutter nach Bergen gezogen”, sagt sie. Als sie dort lebte, gab es noch die Mühle und eine Brennerei, die für guten Schnaps bekannt war. „Ich habe auch noch den großen Saal in Erinnerung, als die Beerdigung meines Großvaters stattfand”, erzählt sie. Damals hätten dort alle nach der Beerdigung Karten gespielt.

Entstanden ist das Gebäude laut der Chronik „Die Lohheide” von Hermann von der Kammer Ende des 19. Jahrhunderts. Als die Nazis kamen und den Truppenübungsplatz einrichteten, wurde die Familie wie alle anderen umgesiedelt. Alle Gebäude außer dem Herrenhaus wurden abgerissen. Ein Haus für Arbeiter steht noch gegenüber dem Anwesen, aber es ist ebenfalls unbewohnt. Ab 1935 zog der neuen Truppenübungsplatzkommandant in das Gut Hoppenstedt. Letzter Besitzer des Gutes war Barbara Rutkowskis Vater Heinrich Gustav Ferdinand Wilhelm Refardt. Er kaufte von seiner Entschädigung laut dem Lokalhistoriker Hinrich Baumann nach Übergabe des Areals an die Heeresverwaltung das Gut in Timmerloh bei Soltau mit einer Größe von rund 200 Hektar.

Als die britischen Streitkräfte ab 1945 das Gebäude auf dem Platz übernahmen, wurde es laut dem britischen Verbindungsoffizier Hugh Pierson zunächst für verschiedene Führungskräfte genutzt. „Ab den 70er Jahren war es der Dienstsitz der Brigadiers”, sagt Pierson und blättert durch einige alte Fotos des Gebäudes, die er in der Küche ausgebreitet hat. Sie ist so weitläufig, dass man hier bequem Fußball spielen kann. Auch sie steht leer, ebenso wie die Speisekammer, die ein gemauertes und gefliestes Vorratsregal hat.

Es ist warm im Gebäude. „Es muss weiter geheizt werden”, sagt Pierson. Derzeit sind die Briten hier noch Hausherr, aber bald wird Gut Hoppenstedt das Los von so vielen Immobilien teilen, die auf dem Truppenübungsplatz stehen. Die britischen Streitkräfte gehen und die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) wird sie übernehmen. Was damit passieren soll, ist unklar. Der letzte Brigadier James Woodham hat das Gebäude längst verlassen.

Ein paar Leute haben sich das Haus inzwischen angeschaut, „aber wirkliche Interessenten hat es nicht gegeben”, sagt Pierson. Es wäre wohl auch schwierig. Alleine die Heizkosten, um das Anwesen mit 750 Quadratmetern Wohnfläche warm zu halten, dürften enorm sein. Auch die Pflege des Geländes, gut 17.000 Quadratmeter, ist aufwendig. Dazu kommt die abgelegene Lage. Dafür gibt es viel Natur und sogar einen Swimmingpool, der laut Pierson von einem der letzten Brigadiers 2005 noch genutzt wurde.

Wann das Gebäude in die Hände der BIMA wechselt ist laut Hugh Pierson noch unklar. „Vieles wird zusammen übergeben”, sagt er. Es ist ein Kleinod, ebenso wie Schloss Bredebeck, das der Bund da bekommen wird. Ob man es dann nutzen kann, ist eine ganz andere Frage.

Von Tore Harmening