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Bergen Stadt Wassermühle in Bergen als Wohnhaus genutzt
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Wassermühle in Bergen als Wohnhaus genutzt
12:57 27.02.2015
Von Karin Dröse
    Ehemalige Mühle als Wohnhaus umgebaut Quelle: Karin Dröse
Bergen Stadt

Ich wollte nicht, dass die alte Wassermühle in Bergen verfällt“, sagt Günter Nehm. Als Mühle wurde das markante Backsteingebäude bis Anfang der 1970er Jahre betrieben. Dann stand es leer und drohte zu verfallen. Deshalb hat der gelernte Maurer das Schmuckstück am Mühlenbach gekauft und zum Wohnhaus umgebaut. „Ich baue gern“, sagt Nehm, der heute Inhaber einer Fahrschule ist. 1980 hat Nehm die Mühle erworben und den Umbau selbst in die Hand genommen. „Damals war es schwer, Handwerker zu bekommen“, erinnert er sich.

Die Bausubstanz war gut, und so musste nur das Dach neu gedeckt werden. „Innen sind richtig schöne Wohnungen entstanden, mit massiven Balken. Und die Lage am Mühlenteil ist einfach herrlich, zentrumsnah, ruhig und in der Natur“, schwärmt Nehm. Seit 1990 vermietet er zwei große Wohnungen mit 80 bis 90 Quadratmetern und zwei kleinere mit jeweils 40 Quadratmetern. Seine Mieter hat er sorgfältig ausgewählt, die meisten kennt er sehr gut. Details, wie ein großer Mühlstein an der Außenwand, erinnern noch an den einstigen Verwendungszweck.

Und natürlich der Bach, der hinter dem Haus vorbeiplätschert. Das Rauschen des Wassers hören die Bewohner, wenn sie auf ihrer Terrasse oder im begrünten Hof hinter dem Haus sitzen, immer noch. „Um eine Mühle wirtschaftlich zu betreiben, ist es zu wenig Wasser und Aufstauen geht nicht, weil Eigentümer benachbarter Gebäude sich Sorgen um den Anstieg des Grundwassers machen könnten“, sagt Nehm. Also bleibt ein kleiner Sturzbach als Erinnerung an vergangene Tage. Clawes Lüder wurde 1438 als Besitzer der Mühle erwähnt. Erste Hinweise, dass es in Bergen eine Mühle gibt, stammen von etwa 1229 im Lehensregister des edlen Herrn Luthard von Meinsersen. Im Zinsregister von 1482 gibt es Hinweise darüber, dass die St.-Lamberti-Kirche „2 Mark von der molen to berghen“ als Zehnten erhalten hat.

Die Reihe der Besitzer ist ebenfalls dokumentiert: 1470 wurde die Mühle, die sich vorher wahrscheinlich nördlich der Straße Deichend (Plattdeutsch Dieck bedeutet Teich) befand, an den Mühlendamm 16 verlegt. Henneke Moller wurde als Besitzer genannt. 1767 ist urkundlich verzeichnet, dass Hans Heinrich Springhorn aus Soltau eingeheiratet hat. Carl Wilhelm Heinrich Springhorn ist 1827 als Gastwirt und Müller erwähnt. Zimmermeister Carl Heinrich Ferdinand Otte wird als Besitzer genannt von Willi Hogrefe, der die Geschichte der Mühle festgehalten hat. Der Kauf der Mühle für 4640 Thaler durch Johann Heinrich Wilhelm am 18. Oktober 1833 ist dokumentiert.

Am 25. April 1903 gerät die Mühle durch Blitzschlag in Brand und wird wieder aufgebaut. Betreiber der Mühle ist jetzt August Ullrich. Sein Enkelsohn Klaus Ullrich ist als Besitzer eingetragen, von dem Günter Nehm die Mühle erwirbt. Die Namen der Besitzer Moller, Ullrich und seit 1989 Nehm sind in einem Balken über der Eingangstür dokumentiert und erinnern an die Geschichte des Gebäudes.

Der Mühlenteich diente einst nicht nur als Wasserspeicher für den Betrieb der Wassermühle. Im Winter, wenn er durch die Kälte erstarte, lieferte er Eisplatten. Sie wurden abgetragen und in einem Keller in der Bahnhofstraße gelagert. Dort sorgte das Eis des Mühlenteichs für die Kühlung der Vorräte der örtlichen Gastronomie. Günter Ernst dokumentierte mit seinen Bildern die Arbeiten vor Ort im Januar 1951. Heute liegt der etwas kleinere Mühlenteich im Bürgerpark und dient der Erholung der Bergener und Besuchern der Stadt. Karin Dröse