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Bergen Stadt Wolf beschäftigt Jäger und Politik im Kreis Celle
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11:29 06.08.2018
Bergen Stadt

Nicht nur der Wolf schafft Probleme in den Jagdrevieren der Südheide – Kreisjägermeister Hans Knoop ist auch wegen zwei anderer Erkenntnisse unzufrieden. Zum einen gibt es im Kreisgebiet zu wenig alte Hirsche, weil zu viel Rotwild zu jung geschossen wird. Zum anderen richten drei Zuwanderer immer größere Schäden in der Kulturlandschaft an: Nutrias, Waschbären und Marderhunde.

Bei der Kreishegeschau am Wochenende in Bergen wurde den Wölfen die größte Aufmerksamkeit zuteil. Landrat Klaus Wiswe sagte, im Landkreis Celle sei die Wolfsdichte höchstwahrscheinlich die größte in Niedersachsen. Immer mehr Wölfe verlören die Scheu vor den Menschen. Deshalb werde es zu Unglücksfällen kommen. Mit Nachdruck sprach sich Wiswe dafür aus, in die Wolfspopulation „regulierend eingreifen zu dürfen“. Hier bedürfe es klarer Regelungen, auf die man nicht länger warten könne.

Nach Angaben der parlamentarischen Staatssekretärin Maria Flachsbarth vom Bundeslandwirtschaftsministerium leben inzwischen mindestens 25 Wolfsrudel (davon vier in der Südheide), acht Wolfspaare und drei sesshafte Einzelwölfe in Deutschland. Angesichts der wachsenden Population sei es erforderlich, „den Interessen der Nutztier- und Hobbyhalter, der landschaftspflegenden Tierhaltung und der Jägerschaft angemessen Rechnung zu tragen“, sagte die CDU-Politikerin. Auch der Landtagsabgeordnete Ernst-Ingolf Angermann (CDU) betonte, es müsse „möglich sein, über eine Regulierung der Wolfspopulation nachzudenken“. Es sei notwendig, in den Bestand einzugreifen.

Kreisjägermeister Knoop stellte in Bergen folgende Rechnung auf: Jeder Wolf benötigt täglich 5,4 Kilogramm Nahrung. Bei 40 Wölfen im Kreisgebiet ergebe sich ein jährlicher Bedarf von 157.680 Kilogramm. Diese Zahl sei extrem hoch, weil die Wölfe ihre Beutetiere nicht komplett auffräßen, sondern auch andere Arten wie Kolkraben und Füchse von den Wolfsrissen profitierten. Knoop beziffert das Durchschnittsgewicht eines Beutetieres auf 30 Kilogramm und kommt so zu der Einschätzung, dass den Wölfen in der Südheide jährlich 5256 Tiere zum Opfer fallen.

Unzufrieden ist Knoop mit der Bilanz der Rotwildbejagung. Er beklagt insbesondere, dass zu wenig weibliches Rotwild geschossen wird und dass in der Klasse II 53 Prozent der erlegten Hirsche als Fehlabschüsse eingestuft werden mussten. Dringend appellierte Knoop an die Revierinhaber, nicht mehr so viele junge Hirsche zu erlegen. Schon jetzt gebe es entschieden zu wenig „reife“ Hirsche. Immerhin, in Bergen waren auch eindrucksvolle Geweihe von Hirschen der internationalen Spitzenklasse zu sehen. Für drei von ihnen gab es eine Silbermedaille, 18 erhielten nach der Bewertung durch Carsten-Heinrich und Carsten Woltmann eine Bronzemedaille.

Knoop und Wiswe legten den Jägern nahe, die eingewanderten Nutrias verstärkt zu bekämpfen. Sie richteten an den Ufern der Gewässer immer größere Schäden an. Dies sei vor allem in Flotwedel und Wathlingen an Schwarzwasser und Harlake zu beobachten. Weil sich die Nutrias massenhaft vermehrten, nähmen auch die Fraßschäden auf den Feldern stark zu.

Von Klaus von der Brelie