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Bergen Stadt Wolfgang Marquardt erhält Bundesverdienstkreuz
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Wolfgang Marquardt erhält Bundesverdienstkreuz
17:20 17.03.2017
1982 nahm Wolfgang Marquardt den ersten modernen Rettungswagen für den Nordkreis in Betrieb. Von seinem Motto "Ich will helfen" rückte er nie ab. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
Bergen Stadt

Angefangen hatte es mit zwei gebrauchten Taxen, mit denen Heidemarie und Wolfgang Marquardt 1965 ihr Unternehmen gründeten. Zuerst noch im Nebenerwerb und – vom Erfolg ermutigt – schließlich vollberuflich. Damit wuchs auch die Anzahl der Fahrzeuge. Und die Anzahl der Aufträge. Und damit verbunden wiederum die Beobachtung, wie unfallträchtig die Straßen rund um Bergen waren und wie lange damals die Rettungswagen mitunter brauchten, um die jeweiligen Unfallstellen zu erreichen. Etwa einmal pro Monat sei der heute 75-Jährige als Unfallzeuge vor Ort gewesen und habe geholfen, berichtet Marquardt. Und wiederholt sei er mit seinen Taxen „eingesprungen“, um Verletzte (oftmals junge Soldaten) ins Krankenhaus zu transportieren, damit keine Zeit verloren ging.

Als er 1977 die Konzessionen für drei Krankenwagen erhielt, bildeten sich zwei Unternehmensbereiche: Der Unternehmensbereich Rettungsdienst wurde durch den Landkreis Celle öffentlich beauftragt, im Nordkreis den Rettungsdienst und Krankentransport auszuführen. Der Unternehmensbereich Taxi wiederum spezialisierte sich auf die sitzende Krankenbeförderung, wobei einige Taxen auch zu Rollstuhltransportern umgebaut wurden. 1982 wurde der erste moderne Rettungswagen im Nordkreis in Dienst genommen.

Während Marquardt in diesen Anfangsjahren von der DRK-Ortsvorsitzenden Emmi Deppe und dem Bergener DRK-Krankenfahrer Werner Imm volle Unterstützung erhalten habe, sei ihm von der Kreisgeschäftsstelle des DRK zunächst „das Leben schwer gemacht“ worden. Er wurde als unliebsamer Konkurrent angesehen: „Du willst uns kaputt machen“, habe man ihm unterstellt und unter immer neuen Vorwänden behördliche Überprüfungen in seinem Unternehmen veranlasst. Doch das hat ihn in seinem prägnanten Entschluss („Ich will helfen“) nicht beirrt. Heute umfasst sein Einsatzbereich die Stadt Bergen, den Truppenübungsplatz Bergen mit Lohheide sowie die Gemeinden Faßberg und Südheide mit den jeweiligen Ortschaften.

Durch seine berufliche Tätigkeit ergab es sich geradezu zwangsläufig, dass Marquardt mit den Menschen und die Menschen mit ihm ins Gespräch kamen. Gespräche, die oft weit über einen oberflächlichen Small Talk hinausgingen und „so richtig Substanz“ hatten. Themen, die ihn zum Nachdenken brachten, die aber auch konstruktive Kritik an der kommunalen Politik und daraus resultierende Lösungsansätze in ihm weckten. Ein besonders markantes Beispiel für seine zwischenmenschlich motivierten Aktivitäten ist die schon 1988 gegründete „Rheumaliga“, mit der er nachhaltig unter Beweis stellt, dass seine Engagements keine „Eintagsfliegen“ sind. Im Gegenteil. Mit zunehmender Begeisterung nahmen und nehmen nach wie vor Betroffene das Angebot an und treffen sich zu bewegungstherapeutischen Übungsprogrammen ebenso wie zu Tanzveranstaltungen.

Marquardt hatte immer Augen und Ohren für die (berechtigten) Anliegen der Bürger vor Ort („Mit dem kann man reden“) und versuchte immer wieder, durch konkretes, mitunter auch energisches Engagement Einfluss auf die Politik zu nehmen. Da Marquardt in zwei etablierten Parteien, denen er zuvor angehörte, aber „viel zu oft kein Gehör“ fand und „nicht ernst genommen“ wurde, gründete er kurz vor der Kommunalwahl 1991 mit 16 Gleichgesinnten die Wählergemeinschaft Bergen, die auf Anhieb in den Stadtrat einzog und bis heute darin ebenso vertreten ist wie im Kreistag. Der Erhalt der dörflichen Substanzen und ein umfangreicheres Freizeitangebot gehört neben der Weiterentwicklung vorhandener und Neuansiedlung auch kleinerer Betriebe zu ihren vorrangigen Themen.

Entspannung findet Marquardt in seinem 120 Morgen „kleinen Waldstück“ bei Offen, das er vor etwa zehn Jahren erworben hat. Ein Kindheitstraum – so etwas habe er sich immer gewünscht. „Das ist mein Erholungsgebiet“, sagt er, „mein ganz persönliches Stück Natur.“ Auf die Frage „Würden Sie, wenn Sie zurückblicken, heute etwas anders machen?“ antwortet Marquardt ohne zu zögern „Nein, ich würde alles genauso wieder tun. Was ich vom Leben wollte, habe ich geschafft.“

Von Rolf-Dieter Diehl