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Bergen Stadt Zynisch, skrupellos und fies: Martin Semmelrogge in seinem Element
Celler Land Bergen und Lohheide Bergen Stadt Zynisch, skrupellos und fies: Martin Semmelrogge in seinem Element
20:14 09.08.2018
Inmitten eines guten Ensembles verlieh Martin Semmelrogge (vorn) der Hauptfigur besondere Eindringlichkeit Quelle: Udo Genth
Bergen Stadt

Es ist durchaus berechtigt, von einem Theater-Ereignis zu sprechen. Die Aufführung des Stückes von Jerry Sterner „Das Geld anderer Leute“ am Sonntag im Bergener Stadthaus war ein solches. Unter dem Originaltitel „Other People’s Money“ wurde es bereits 1991 mit den beiden Hollywoodgrößen Danny DeVito und Gregory Peck verfilmt. In Bergen gab es ebenfalls einen Star, und der hieß Martin Semmelrogge. Es lag nicht nur an ihm, sondern eher an der Figur, dass sein Name zuerst genannt werden muss. Inmitten des guten Ensembles ragte er hervor, denn die Rolle schien für ihn geschrieben zu sein. Semmelrogge verkörperte einen skrupellosen Geschäftsmann. „Larry der Liquidator“ genannt, kauft er Firmen auf, filetiert sie geradezu und verdient prächtig am Weiterverkauf. Moralische Bedenken kennt er nicht, Arbeitsplätze oder menschliche Schicksale sind ihm einerlei. Martin Semmelrogge gab dieser Figur mit einem zynischen Lächeln, einer kalten Freundlichkeit oder – meistens – entwaffnend unhöflicher Direktheit eine aufdringliche Realität. In einer jungen Anwältin schien er eine kongeniale Partnerin gefunden zu haben, siegt am Ende dann aber doch, in dem er nicht nur die ins Auge gefasste Firma erhält, sondern auch die Gegenspielerin kurzerhand heiratet.

Das Stück des Kleinen Theaters Bad Godesberg wurde vom Kulturkreis Bergen ins Stadthaus geholt. Es kommt mit fünf Schauspielern aus, die auf der Berger Bühne wohltuend sicher, unverkrampft und in hohem Maße überzeugend agierten. Sie standen in ihrer Darstellung in keiner Weise hinter dem Star Semmelrogge zurück.

Das eindrucksvolle, letztlich jedoch sparsame Bühnenbild trug mit dazu bei, die Personen und ihr Handeln und Reden in den Mittelpunkt zu stellen. Das Ganze wurde von Gert Becker mit einem Augenzwinkern inszeniert. Den knapp 200 Zuschauern gefror jedoch manchmal das Lachen oder zumindest Schmunzeln über die reichlich vorhandenen Pointen dieser Komödie, wenn sie brutal-kaltes Gewinnstreben erkannten. Die Nähe zur gerade überstandenen Finanzkrise, deren Nachwehen noch spürbar sind, ließ Teile des munteren Spiels auf der Bühne zu einem Lehrstück werden. Folgerichtig war im Programmheft eine kleine Zusammenfassung von Börsen-Begriffen abgedruckt. Letztlich lief alles auf die banale Erkenntnis hinaus: Geld regiert die Welt, oder wie es mehrfach über die Lautsprecher eingespielt wurde: „Money Makes The World Go Round“.

Oft gab es Szenenbeifall, ihm folgte ein starker Schlussapplaus, der die Schauspieler mehrfach zurück auf die Bühne rief. Er war wohl angemessen.

Von Udo Genth