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Lohheide 120 Gäste gedenken in Bergen-Belsen der Deportation der Sinti und Roma
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide 120 Gäste gedenken in Bergen-Belsen der Deportation der Sinti und Roma
19:00 04.03.2018
Von Christopher Menge
Quelle: Oliver Knoblich
Lohheide

"Bergen-Belsen hat einen besonderen Stellenwert, denn die Mehrheit der überlebenden Sinti und Roma wurde hier befreit", sagte der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten Jens-Christian Wagner. "Außerdem war die Gedenkstätte mit einer Kundgebung im Oktober 1979 ein Geburtsort der Sinti-und-Roma-Bewegung." Er betonte, dass Sinti und Roma in Deutschland und Europa auch heute noch diskriminiert und angegriffen würden. "Dem müssen wir uns gemeinsam entgegenstellen", so Wagner.

Claudia Schanz, die den erkrankten niedersächsischen Kultusminister Grant Hendrik Tonne vertrat, betonte, dass die Ausgrenzung und Diskriminierung lange vor 1933 begangen habe und nach 1945 nicht vorbei war. "Staat und Gesellschaft haben sich durch die Verweigerung von Entschädigungen eine zweite Schuld aufgeladen", sagte die Referatsleiterin im Kultusministerium. Die jetzige Generation habe die Verantwortung, für eine "wache und lebendige Erinnerungskultur" zu sorgen. "Wer das bekämpft, bekämpft die Demokratie", sagte Schanz in Richtung AfD.

Bevor die Gäste an der Inschriftenwand der Opfer gedachten, forderte Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung, in die Bildung der Roma-Kinder zu investieren. "Es ist Zeit für einen Bildungsaufbruch", sagte Franz. "Das wird ein Gewinn für die gesamte Gesellschaft sein, denn wer die Unterschiede akzeptiert, kann friedvoll zusammenleben."

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung eröffnete Reinhold Baaske, Vorsitzender des Vereins für Geschichte und Leben der Sinti und Roma in Niedersachsen, im Forum der Gedenkstätte die Ausstellung „Von Niedersachsen nach Auschwitz“. Sie zeichnet anhand von Dokumenten und Fotos die Geschichte der Verfolgung der Sinti und Roma im Nationalsozialismus nach und verdeutlicht, dass Sinti und Roma auch heute noch vielfach diskriminiert werden.

Aus Anlass des 75. Jahrestages der Transporte nach Auschwitz erinnern der Niedersächsische Verband Deutscher Sinti, das Forum für Sinti und Roma Hannover und die Gedenkstätte Bergen-Belsen am Sonntag, 4. März, ab 11 Uhr mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in Bergen-Belsen an den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma, dem zwischen 100.000 und 500.000 Menschen zum Opfer fielen. Hauptredner ist Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung in Berlin. Für die niedersächsische Landesregierung wird Kultusminister Grant Hendrik Tonne sprechen. Gäste sind bei der öffentlichen Gedenkveranstaltung willkommen.

01.03.2018

Bevor der niedersächsische Landtag am Dienstag über die Änderung des Gesetzes der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten abstimmt, hat sich der Geschäftsführer der Stiftung, Jens-Christian Wagner, bei den Fraktionen von SPD, CDU, Bündnis 90/Die Grünen und FDP für ihre Initiative bedankt. "Sie zeigen damit demokratische Verantwortung und schützen den erinnerungskulturellen Auftrag der Stiftung", sagte Wagner. Der Entwurf sieht vor, dass die Zahl der Abgeordneten, die der Landtag in den Stiftungsrat entsendet, auf vier begrenzt wird. Hintergrund ist, dass verhindert werden soll, dass die AfD einen Sitz in dem Gremium erhält.

Christopher Menge 27.02.2018

Wie können aus "normalen" Menschen Täter werden? Dieser Frage geht der Historiker Jakob Saß nach, der sich mit der Biografie des KZ-Kommandanten Adolf Haas beschäftigt. "Mein Projekt liegt mir nicht nur aus reinem Forschungsinteresse am Herzen, sondern auch aus gegebenen politischen und gesellschaftlichen Anlässen", sagt Saß, der gerade das erste umfangreiche Buch über diesen von der Forschung vernachlässigten Täter, seine „Karriere“ bei der SS und seine kuriose Kunstaffinität schreibt. Ende 2018 soll es im Berliner Vergangenheitsverlag erscheinen. Dafür haben sein Verleger Alexander Schug und Saß eine Crowdfunding-Aktion ins Leben gerufen.

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