Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lohheide Bredebeck - ein verlassenes Schloss im Celler Nordkreis
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Bredebeck - ein verlassenes Schloss im Celler Nordkreis
18:35 04.05.2015
Die englischen Truppen haben Schloss Bredebeck geräumt. Wer hier als Nachfolger einziehen könnte, ist völlig ungewiss. Quelle: Anne Friesenborg
Lohheide

Paul Kühling, Jahrgang 1929, empfindet Wehmut, aber auch Dankbarkeit, wenn er heute durch den von seinem Vater in seinen heutigen Zustand versetzen Landsitz streift. 1936 haben die Kühlings Schloss Bredebeck und alle dazugehörigen Ländereien, insgesamt etwa 400 Hektar, an die Wehrmacht verkaufen müssen. Die Nazis ließen ihnen bei der Einrichtung des Truppenübungsplatzes keine andere Wahl. Seither wird das Gebäude ununterbrochen vom Militär genutzt, anfangs als Erholungsort für verdiente Wehrmachtsführer, dann als Hilfslazarett, seit 1945 als Heim für britische Offiziere.

Die letzten Bewohner, gut zwei Dutzend ledige Aufklärungsoffiziere der „Lancers“, wären gewiss gern in Bredebeck geblieben. Die jungen Nachwuchskräfte des Regiments wurden dort rund um die Uhr bestens versorgt, lebten wie in einem Hotel in komfortablen Einzelzimmern, durften ihre Pferde mitbringen und hatten es auch zum Golfplatz nicht weit. Jetzt herrscht überall gähnende Leere. Paul Kühling hat so die Chance bekommen, erstmals wieder sein Kinderzimmer zu betreten, auch einen Blick in das Schlafzimmer seiner Eltern ist ihm vergönnt. „Plötzlich ist die Erinnerung wieder da“, sagt der in Celle lebende Pensionär, „als Kinder haben wir aus dem ersten Stock oft beobachtet, wie Generäle in glänzenden Limousinen vorfuhren, um im großen Saal zu feiern.“

Kühling ist beeindruckt vom aktuellen Zustand des Schlosses. Alles ist picobello aufgeräumt, in fast allen Räumen liegen dicke, blaue Teppichböden, auch die Ufer des vorbeifließenden Lieth-Baches und der Fischteich an der Westseite des Gebäudes machen einen sehr gepflegten Eindruck. Auf den ersten Blick erinnert nichts mehr an die bisherigen Bewohner.

Die "Lancers" haben alles einpacken und abtransportieren lassen, was ihrem Regiment gehört. Die Schlachtengemälde in den Repräsentationsräumen im Erdgeschoss sind abgenommen worden, die dicken Ledersessel, die vor dem Kamin standen, sind auf dem Weg nach England. Alle gut 40 Einzelzimmer sind leer.

Im Musikzimmer stößt Kühling auf Einrichtungsgegenstände, die ihm sehr vertraut sind: vier Stühle, eine Sitzbank und einen Tisch. Sie wurden angeschafft, bevor Soldaten das Schloss übernahmen. Auch ein schwerer Marmortisch in der Eingangshalle hat die militärische Nutzung überdauert. Und an eine holländische Standuhr aus der Ära Kühling haben die Briten einen Zettel geklebt mit der Aufschrift „do not remove“ (nicht entfernen).

Aber wem die Uhr künftig die Zeit anzeigen wird, weiß niemand. Die Briten verlassen die Heide und haben für das herrschaftliche Anwesen keine Verwendung mehr. Neue Schlossherrin wird demnächst die Bundeanstalt für Immobilienaufgaben (Bima). Ob sie neue Nutzer findet, muss sich noch erweisen. Immerhin, mit einem Pfund kann die Bima wuchern: Die Briten hinterlassen in Bredebeck eine hochmoderne Küche. Sie wurde erst vor wenigen Jahren installiert, hat angeblich 1,5 Millionen Euro gekostet und kann bestimmt mehr leisten, als einfachen Soldaten eine schlichte Erbsensuppe zuzubereiten.

Von Klaus von der Brelie