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Lohheide Das letzte Aufräumen im Camp Hohne
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Das letzte Aufräumen im Camp Hohne
14:47 10.10.2015
Der britische Verbindungsoffizier Hugh Pierson auf einem der großen Plätze, die früher durch die Truppen genutzt wurden.   Quelle: Tore Harmening (7)
Lohheide

In der Hochzeit der Briten haben hier mal um die 5000 Menschen ihre Einkäufe erledigt. Seit ein paar Wochen kauft hier niemand mehr ein.

Der Laden wird abgewickelt wie alle anderen Gebäude auch. „Wir machen derzeit die Übergabe der einzelnen Gebäude“, sagt der britische Verbindungsoffizier Hugh Pierson. Bei einigen Kasernenteilen wie der Dieseltanklage für die Militärfahrzeuge ist das kompliziert, denn viele Vorschriften müssen eingehalten werden. Mit gut 100 Leuten sind die Briten noch vor Ort, um die Restarbeiten zu erledigen. Das letzte Aufräumen.

Noch bis vor Kurzem haben die Streitkräfte in den Standort investiert. Da sind die neue Mensa gleich am Eingang und die Montgomery School für die jüngeren Kinder der Soldaten. Sie wurde erst 2011, noch später als die Gloucester School fertig. Die Schule ist im Sommer geschlossen worden. Durch die Scheibe sieht man noch das Inventar, das zusammengepackt auf den Abtransport wartet. Alles neu, alles topmodern, jetzt wartet es auf eine Nachnutzung, die wohl erst mal nicht kommen wird.

Die Fahrt über die Kaserne ist eine Fahrt durch eine Geisterstadt. An einigen Stellen stehen noch Container. Dort wird noch aufgeräumt. „Dinge wie Betten oder Küchen haben wir zum Teil eingelagert. Sie werden verkauft oder weitergegeben. Alte Sachen schmeißen wir weg“, sagt Pierson.

Die Straßen und Plätze sind leer. Nur auf einer der großen Flächen zwischen den Mannschaftsgebäuden stehen noch zwei Panzer und zwei englische Feuerwehrwagen. Die Panzer sind nur noch Ausstellungsstücke wie das Exemplar, das vor Kurzem am Haupttor abtransportiert wurde. Die Feuerwehrautos kommen aus Fallingbostel und werden demnächst auch nach England gebracht. Ein paar Häuser weiter stehen die geleasten Autos der Streitkräfte in Reih und Glied. Sie warten auf ihre Rückgabe.

Aktuell müssen sich die Mitarbeiter erst einmal um die Übergabe der benachbarten Kaserne in Bad Fallingbostel kümmern. Bund und Land brauchen das Gelände dringend, weil sie dort Flüchtlinge unterbringen wollen. „Wir müssen das jetzt schnell schaffen“, sagt Pierson. Die erste Hälfte ist bereits übergeben.

Seit 1995 ist Pierson als Verbindungsoffizier im Lager Hohne tätig. Erst kürzlich wurde er für seine Arbeit mit dem Niedersächsischen Verdienstorden ausgezeichnet. Auch für ihn ist es derzeit komisch, in die leer geräumte Kaserne zu kommen, aber „in meinem Block wird ja noch gearbeitet. Da ist es so wie bisher auch.“ Den Abzug sieht er pragmatisch. „Natürlich ist ein bisschen Wehmut dabei, aber letztlich wussten wir alle, dass es kommen würde“, sagt er.

Für die meisten Soldaten, die ohnehin ständig in Bewegung sind, sei der Abschied einfach. Aber eben nicht für alle. Pierson berichtet von einem Quartiermeister, der jetzt nach vielen Jahren in Schottland stationiert ist und die alte fremde Heimat in Bergen vermisst.

Pierson selbst wird wohl Anfang des Jahres gehen. Wohin weiß er noch nicht. Derzeit sichtet er noch die Stellenangebote.

Die Briten werden nicht ganz weggehen, jedenfalls nicht gleich. Ein Panzerbataillon ist noch in Paderborn stationiert und wird nach Bergen zum Üben kommen. Aber die große britische Zeit ist vorbei. Bis Ende des Jahres noch – dann ist Schluss.

Von Tore Harmening