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Lohheide "Ein authentischer Ort"
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide "Ein authentischer Ort"
14:47 26.12.2011
Gedenkst‰tte Bergen-Belsen Quelle: Udo Genth
Lohheide

2011 hat sich viel getan in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, wohl deshalb hat die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten erst jetzt ihren Jahresbericht für 2010 veröffentlicht. Geschäftsführer Habbo Knoch blickt auf zwei bedeutende Jahre zurück - und auf ein drittes, das nun beginnen kann.

Besonders bewegt hat die Mitarbeiter der Stiftung der 65. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers. Viele Überlebende waren dabei, sie hatten als Kinder und junge Erwachsene in Bergen-Belsen gelitten. Heute leben sie über die ganze Welt verstreut, in Israel, den USA, Nachfolgestaaten der früheren Sowjetunion.

Gerade letztere sind es, die die Mitarbeiter heute vor eine ganz neue Herausforderung stellen: „Angehörige können im Internet Personalkarten finden. Dort steht dann, wo ihre Verwandten zu Tode kamen.“ Und dann, gar nicht selten, stehen sie plötzlich auf dem Parkplatz der Gedenkstätte und bitten um Hilfe, das Grab ihres Vaters zu finden. „Das ist eine humanitäre Aufgabe der Gedenkstätte“, sagt Knoch.

Auf dem Außengelände hat die Stiftung im vergangenen Jahr „Lesezeichen“ aufgestellt, sie dokumentieren anhand von Modellen, wie es früher an ihren Standorten aussah, außerdem gibt es neue Informationsstelen. Im Frühjahr werden sie offiziell vorgestellt, wohl zur Zeit der Gedenkfeier am 15. April. Im Wald wurde die Topografie des früheren Konzentrationslagers wieder sichtbar gemacht, im Wald wurden frühere Grenzen gelichtet.

In Zukunft will die Stiftung noch viel stärker auf die Besucher eingehen. Wie funktioniert das? „Bergen muss ein authentischer Ort sein“, sagt Knoch. In Bergen-Belsen wünscht er sich mehr Besucherforschung, zum Beispiel im Rahmen einer Forschungsarbeit und Evaluationen.

Derzeit wird auch an den Publikationen der Stiftung gearbeitet. Aus Bergen-Belsen gibt es zwei neue Schriftenreihen: In „Bergen-Belsen – Berichte und Zeugnisse“ erscheinen Tagebücher, Briefe, Gedichte, Zeichnungen, aber auch Autobiographien oder Interviews. Arieh Koretz‘ „Bergen-Belsen – Tagebuch eines Jugendlichen 11.7.1944 – 30.3.1945“ ist der erste Band, er erschien kürzlich.

In „Bergen-Belsen – Dokumente und Forschungen“ erscheinen Forschungsarbeiten zu Bergen-Belsens Geschichte als Kriegsgefangenenlager, Konzentrationslager und Displaced Persons Camp. Als erster Band dieser Reihe erschien „Belsen Trial 1945 – Der Lüneburger Prozess gegen Wachpersonal der Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen“ von John Cramer.

Von Isabell Prophet