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Lohheide „Es soll nie vergessen werden“
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide „Es soll nie vergessen werden“
17:12 15.11.2010
Speziell für die jüngsten Zuhörer zeigte Marion Blumenthal-Lazan einen sogenannten Judenstern, den alle Juden ab 1941 an der Kleidung zu tragen hatten Quelle: Udo Genth
Lohheide

Marion Blumenthal-Lazan wurde 1934 in Hoya an der Weser geboren und kam im Februar 1944 mit der Familie nach Bergen-Belsen. „Ich war klein und hatte furchtbare Angst“. Sie beschrieb das Lagerleben mit all ihren schrecklichen Details. Da wurden 600 Menschen in fensterlose Baracken gesperrt, zwei Menschen mussten sich Pritschen von 70 Zentimetern Breite als Bett teilen. Es gab wenig Wasser, keine Seife oder Zahnpasta noch Toilettenpapier. Täglich hingen Leichen im elektrischen Lagerzaun, in den dunklen Baracken stolperten die Insassen über Leichen. „Es war eine Atmosphäre voller Angst, Gestank und Tod“, schilderte die Referentin.

In den letzten Kriegstagen wurde sie mit rund 2500 anderen Lagerinsassen in einen Zug gepfercht, der später als „Lost Transport“ in die Geschichte einging. Zwei Wochen lang irrte er durch das verbliebene Reichsgebiet. Es gab kein Essen, kein Wasser, keine Toilette, dafür grassierten Typhus und Durchfall. Als am 25. April 1945 schließlich der Zug in die Hände russischer Soldaten fiel, war ein Fünftel der Insassen tot.

Über die Niederlande reiste die Familie – der Vater war kurz nach der Befreiung verstorben – schließlich in die USA. Dort hat Marion Blumenthal-Lazan geheiratet. „Es ist schwer für mich, über meine Kindheit zu sprechen“, sagte die Holocaust-Überlebende, „aber es muss getan werden“. Die Zeitzeugen verschwinden langsam, das Wissen um das Entsetzliche muss aber weitergetragen werden, „es soll nie vergessen werden, damit solch ein Grauen nicht wieder passieren kann“.

Aus eigener Erfahrung heraus richtete Marion Blumenthal-Lazan einen eindringlichen Appell an alle Zuhörer, speziell jedoch die Jungen unter ihnen, nach mehr Liebe, Respekt und Toleranz gegenüber jedermann, ungeachtet der Religion oder Hautfarbe. Dadurch könne die Wiederholung eines Unheils verhindert werden. Dass es jedoch auch Grenzen gibt, machte sie selbst klar. Auf die Frage, ob sie Liebe und Toleranz auch Irans Präsidenten Ahmadinedschad entgegenbringen könne, sagte sie spontan mit schreckgeweiteten Augen: „Nein – das ist ein Dreckskerl“.

Von Udo Genth