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Lohheide Gedenkstätte Bergen-Belsen plant Erweiterung auf Kasernengelände
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Gedenkstätte Bergen-Belsen plant Erweiterung auf Kasernengelände
17:10 05.01.2017
Von Christopher Menge
Gegen dasVergessen: Am Jahrestag erinnert die Gedenkstätte Bergen-Belsen an die Befreiung des Konzentrationslagers. In diesem Jahr werden dabei die Schicksale der politischen Häftlinge in den Blickgenommen. Quelle: Christopher Menge
Lohheide

Allerdings gibt es noch einen Haken: Die Kaserne ist militärischer Sicherheitsbereich. „Der Plan ist, dass ein kleiner Teil am südwestlichen Rand der Kaserne durch einen zweiten Zaun abgetrennt wird“, sagt Wagner, „die Besucher könnten dann ohne Kontrolle – in Verantwortung der Stiftung – in das Gebäude kommen.“ Die Zeichen stünden gut. Bereits in diesem Jahr soll in dem Gebäude mit der Bildungsarbeit begonnen werden. Zum 80. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen im Jahr 2025 soll dann das ganze Projekt umgesetzt sein – den Besuchern soll dann eine neue Dauerausstellung zum Thema „displaced persons“ am historischen Ort präsentiert werden.

Die Investitionskosten von vier Millionen Euro sollen je zur Hälfte durch den Bund und das Land finanziert werden. Während der Bund die Förderung schon in Aussicht gestellt hat, wird Wagner beim Land wohl noch etwas Überzeugungsarbeit leisten müssen. Im vergangenen Jahr war ihm das bei einem anderen Punkt sehr gut gelungen. Der Niedersächsische Landtag stimmte einstimmig dafür, die bisherige Förderung für Gedenkstättenfahrten von 50.000 Euro in eine allgemeine Förderung für Bildungsarbeit in Gedenkstätten umzumünzen. Das Land stellt dafür in diesem Jahr 150.000 Euro und im kommenden 200.000 Euro zur Verfügung.

Bildungsprogramme scheinen in Zeiten, in denen der Rechtspopulismus auf dem Vormarsch ist, wichtiger denn je. „Wir sind wegen des Rechtsrucks in großer Sorge“, sagt Wagner, „wir werden diesen alleine nicht aufhalten können, aber wir können ein gesellschaftliches historisches Bewusstsein schaffen.“ Im Fokus hat er dabei nicht nur Schüler, sondern auch Berufstätige und Senioren.

Die Leitthemen der Gedenkstätte Bergen-Belsen, die im vergangenen Jahr geschätzt 250.000 Menschen besuchten, sind die aktuelle Flüchtlingsproblematik mit Blick auf die „displaced persons“ nach 1945 im Camp Hohne und der Widerstand gegen den Nationalsozialismus. „Konkretes Handeln kann Vorgänge ändern“, sagt Wagner, der zum 72. Jahrestag der Befreiung im April 2017 die politischen Häftlinge im KZ Bergen-Belsen in den Fokus nehmen will. „Mehr als die Hälfte der Gefangenen hier waren keine Juden“, sagt Wagner und verweist beispielhaft auf den Braunschweiger SPD-Ministerpräsidenten Heinrich Jasper. Er wurde 1945 zur gleichen Zeit wie Anne Frank in Bergen-Belsen ermordet. „Wir wollen das gesellschaftliche Bewusstsein erweitern“, sagt Wagner. Christopher Menge