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Lohheide "Gesichter der Menschen diesem Ort zurückgeben"
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide "Gesichter der Menschen diesem Ort zurückgeben"
17:52 29.06.2012
Von Christoph Zimmer
Foto Ausstellungsstele Quelle: nicht zugewiesen
Lohheide

„Durch die landwirtschaftsarchitektonische Gestaltung und das Besucherleitsystem ist es uns gelungen, die historischen Orte auf dem Gelände lesbar zu machen", sagte Habbo Knoch, der Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, in seiner Ansprache. Auf dem Außengelände sei künftig eine "aktive Erinnerung" möglich. Auch wenn es leider eine gewisse Verzögerung bei der Fertigstellung des Projektes gegeben habe, sei er froh, "dass die historische Orte jetzt in Gänze wahrgenommen werden können", sagte Knoch.

Da es auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers "kaum bauliche Reste gab, an denen man sich orientieren konnte, ist ein etwas abstraktes Bild entstanden", sagte Anselm Faust. Der verantwortliche Landschaftsarchitekt betonte, "dass eine Struktur geschaffen wurde und nicht einzelne Bauwerke wiedererrichtet worden". Dadurch hätten Angehörige und Besucher die Möglichkeit, "nachzuvollziehen, in welchen Bereichen des ehemaligen Lagers sie sich befinden, wo die Menschen ums Leben gekommen sind oder ihre schwierigste Zeit erlebt haben". Durch die Zeitzeugenberichte würden die "Erinnerungen in die Orte hineinprojeziert und die Vorstellungskraft angeregt" werden.

Seit wenigen Wochen ist die Installation eines neuen Informationssystems abgeschlossen. 17 Stelen und neun Betonplatten, so genannte „Lesezeichen“, verteilen sich nun auf dem Gelände und markieren Orte von Bedeutung. Zum Beispiel werden der ursprüngliche Haupteingang, die Lagergrenze, das Desinfektionshaus und die Baracken hervorgehoben. Fotos und kurze Texte erklären, was an den Stellen einmal gestanden hat. Möglich wurde die Rekonstruktion erst durch die Entdeckung eines Fotos, ein Luftbild des Lagers von 1944. „So konnten wir einen Eindruck von der Struktur bekommen“, sagte Knoch.

Der frisch gepflanzte Baum sei als Symbol einerseits "der Abschluss eines langen Prozesses", sagte Knoch. "Andererseits ist er die Wegmarke für die weitere Entwicklung des Geländes in den nächsten fünf bis zehn Jahren." Jetzt gehe es darum, "für das Gelände ein neues Pflegekonzept zur Sicherung des landwirtschaftsarchitektonischen Bildes zu erstellen", sagte Knoch. "Das ist der Gestaltungsansatz im und mit dem Gelände für die Zukunft." Auch die Sicherung der historischen Informationen und der historischen Baureste seien "die große Herausforderung für die Zukunft". Außerdem gelte es "das bürgerschaftliche Engagement in dem gestalterischen Gesamtkonzept für eine Form der aktiven Erinnerungskultur zu fördern". Darüber hinaus sollen die Namen der Toten in einem Raum sichtbar gemacht werden. "Wir wollen die Gesichter der Menschen diesem Ort zurückgeben", sagte Knoch.