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Lohheide Grauen auf die Bühne gebracht in Gedenkstätte Bergen-Belsen
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Grauen auf die Bühne gebracht in Gedenkstätte Bergen-Belsen
17:11 28.09.2016
Lohheide

Diese Situation bildet die Grundlage des Stückes „Moshes zweites Leben“, das am Sonntag im Forum der Gedenkstätte Bergen-Belsen aufgeführt wurde. Es beruht im Wesentlichen auf den Interviews zweier Überlebender. Beide waren damals 14 und 16 Jahre alt, sind jedoch inzwischen verstorben. Somit ist das Theaterstück – wenngleich es nicht ihre genaue Lebenssituation nachstellt – ihr Vermächtnis.

Drei Personen stehen auf der Bühne: Moshe, der 14 Jährige, und Josef, 16 Jahre alt. Beide können sich noch nicht von der barbarischen jüngsten Vergangenheit lösen. Sie sind weiterhin beherrscht von Apathie, Furcht vor Wiederholung und allgemeiner Verzagtheit, die ein Ausfluss der Angst vor dem Morgen darstellt. Eine ältere britische Krankenschwester hilft ihnen, das Vergangene zu überwinden. Sie hat es selbst schwer, da sie sich nicht in die Lage der beiden hineinversetzen kann. Dennoch gelingt es ihr, nach und nach tiefer in die Seelen der beiden jungen Überlebenden zu gucken und dabei selbst zu lernen. Schließlich kann sie die Kapitulation des Nazi-Reiches und damit das Kriegsende verkünden. Sie löst mit der Bekanntgabe dieser historischen Tatsache kaum Reaktionen aus. Beider Verhalten ist unterschiedlich. Gleich ist ihnen, dass sie keine Freude zeigen, weil sie noch viel zu sehr gefangen sind von dem gerade Überwundenen. Trotzdem gelingt es der Krankenschwester, nach längeren Gesprächen ein wenig Hoffnung zu verbreiten.

Das Theaterstück kommt fast ohne Requisiten aus, lediglich mit grauem Filz bezogene Quader deuten Bett oder Tisch an. Somit wird durch nichts vom Text abgelenkt, vielmehr wird die Art der Darstellung bestimmend. Während eingangs die zu Grunde liegende Situation knapp geschildert wird, endet das Stück mit der kurzen Zusammenfassung des weiteren Lebens der beiden ehemaligen Häftlinge, die später nach Palästina auswandern.

Rund 50 Zuschauer wohnten der Aufführung bei, ihr Schlussbeifall war stark, setzte aber etwas zögerlich ein. Das ist verständlich, denn wohl jeder der meist Älteren im Zuschauerbereich schien betroffen. Diese Ergriffenheit erfasste ebenso die Schauspieler. „Ich habe viel gelernt“, sagte Hanna Legatis, die die britische Krankenschwester darstellt. Gerrit Neuhaus, der einen der beiden Häftlinge spielte, gestand: „Es wühlt mich jedes Mal auf.“ Ganz ähnlich äußerte sich sein Kollege Andreas Daniel Müller: „Es ergreift einen.“ Das ging wohl den meisten im Saal so.

Von Udo Genth