Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lohheide Grundschule Lohheide dicht: Politik fühlt sich von Behörde düpiert
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Grundschule Lohheide dicht: Politik fühlt sich von Behörde düpiert
11:59 17.08.2010
Beginnt nun ein Dornröschenschlaf? Während es im Märchen ein Erwachen gab, bleibt wohl die Lohheider Schule endgültig geschlossen. Quelle: Udo Genth
Lohheide

Antrag auf Ganztagsschule, Energetische Sanierung, Krippenanbau. Einige Projekte haben die Verantwortlichen des Gemeindefreien Bezirks Lohheide im vergangenen Jahr angeschoben, um das Betreuungsangebot vor Ort zu verbessern.

Doch diese Bemühungen sind jetzt durch die Schließung der Grundschule konterkariert worden. „Das ist ein herber Verlust für den Ort“, sagten Bezirksvorsteher Hillrich Köster und der Vorsitzende der Einwohnervertretung, Jens Gadomski unisono. Beide kritisieren die Landesschulbehörde.

Sie hätte nicht ausreichend darüber aufgeklärt, dass ab einer Zahl von 32 Kindern der Unterricht nur noch mit einer Lehrkraft erteilt werden muss. Als die Mitteilung der Landesschulbehörde gekommen sei, dass die Lehrerstunden gekürzt werden, wurde aus Sicht der Lohheider eine Abwärtsspirale in Gang gesetzt. Viele Eltern haben laut Gadomski bei einem gemeinsamen Unterricht der Klassen eins bis vier Bedenken gehabt und ihre Kinder per Sondergenehmigung in Bergen angemeldet. Am Ende blieben noch elf Kinder übrig. Damit ist Lohheide faktisch keine Schule mehr. Die Landesschulbehörde teilte mit, dass die Schule nur noch bis Januar 2011 weiter machen wird. „Man hätte den Kindern nicht zumuten können, innerhalb des Schuljahres zu wechseln, deshalb sind auch die verbliebenen Schüler gegangen“, sagt Gadomski.

Durch die rasante Entwicklung bei der Schließung fühlt sich die Politik düpiert. „Uns wurde nie so eindeutig gesagt, welche Konsequenzen ein Absinken der Schülerzahlen hat“, sagte Gadomski. Sonst hätten die Einwohnervertreter sich wohl noch einmal überlegt, ob man wie es derzeit geschieht, eine neue Krippe an die Schule anbaut und Sanierungen in diesem Umfang am Gebäude vornimmt. Insgesamt entstehen dabei Kosten von um die 400000 Euro. Bezirksvorsteher Köster verweist allerdings darauf, dass schon Nachnutzungsmöglichkeiten geprüft werden, die Sanierungen als nicht umsonst sind. „Trotzdem hätte das Wissen über eine mögliche Schulschließung unsere Entscheidungen natürlich beeinflusst.“

Die Landesschulbehörde kann die Kritik nicht nachvollziehen. Christian Zachlod, Sprecher der Behörde, legt ein Protokoll vor, nach dem die Verantwortlichen bereits in Oktober 2004 und dann noch einmal ab Oktober 2009 im mehreren Sitzungen über die problematischen Schülerzahlen informiert worden sind. „Die Entwicklung der Schülerzahl für diesen Standort war leider eindeutig. Es herrschte Einigkeit, dass die Landesschulbehörde dem Schulstandort und damit dem Schulträger Lohheide bei der Lehrerversorgung so lange wie möglich helfen wollte“, sagte Zachlot. Im Sommer habe die Entwicklung aber dazu geführt, dass eigentlich wegen der geringen Schülerzahl keine Schule mehr vorhanden war. „Dass es vor diesem Hintergrund einen Dissens zwischen Landesschulbehörde und Schulträger gegeben haben soll, ist mir nicht bekannt“, sagt Zachlot.

Heute Sitzung: Die Einwohnervertreter wollen in ihrer heutigen Sitzung, 19 Uhr, im Verwaltungsgebäude über das weitere Vorgehen beraten.

Lohheider enttäuscht über Schließung

(gen). Mit Enttäuschung kommentierten gestern einige Lohheider die Nachricht der Grundschulschließung. „Das ist schade für Lohheide“, sagt Günter Zimmermann. Er hat zwar keine Kinder, aber die betroffenen Eltern tun ihm leid. „Schade“, sagt auch Marlies Rössler. Sie hat selbst die Lohheider Grundschule besucht. Danach wurden ihre Kinder hier eingeschult und jetzt wäre eigentlich ihr Enkel dran. Marlies Rössler verweist auf den längeren Schulweg, den die Grundschüler nun haben werden. Den bewertet Udo Standke negativ. „Kleine Füße sollen kurze Schulwege haben“, zitiert Udo Standke eine Pädagogen-Erfahrung. Der ehemalige Schulleiter, der über 25 Jahre lang die Lohheider Schule bis 2004 geleitet hatte, führt den kulturellen Aspekt für Lohheide an, der durch die Schließung der Schule verloren geht. Allerdings meint Standke: „Wenn die Schließung nur an den Schülerzahlen festgemacht wurde, kann man wohl nichts machen“. Das bezweifelt Monika Klenner. Die Vorsitzende des Schulausschusses ist persönlich gegen die Schulschließung gewesen und weiß sich in der Ablehnung einig mit allen Kollegen im Ausschuss und der Lohheider Einwohnerversammlung.

Dass der örtliche Übergang vom Kindergarten zur Schule jetzt nicht mehr gegeben ist, bedauert Olaf Genth. Seiner Meinung nach war die Zusammenlegung mehrerer Jahrgänge für den Unterricht, wie sie gerade in Winsen erprobt wird, ein Vorteil der kleinen Grundschule in Lohheide.

Allerdings sahen das wohl nicht alle Eltern so. „Ich finde die Schließung schlecht“, sagt eine Mutter, die ihren Namen nicht genannt haben möchte. Sie gibt für die Schließung nämlich denjenigen Eltern eine Mitschuld, die ihre Kinder bereits vorher in anderen Schulen angemeldet hatten.

Von Udo Genth