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Lohheide Jugendworkcamps: Ärger in der Gedenkstätte Bergen-Belsen
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Jugendworkcamps: Ärger in der Gedenkstätte Bergen-Belsen
11:21 30.01.2014
Das Internationales Jugendworkcamp in Bergen-Belsen wäre dieses Jahr beinahe abgesagt worden. Quelle: Martina Hancke
Lohheide

Doch in diesem Jahr wäre das Camp beinahe abgesagt worden, weil die Geschäftsleitung der Stiftung unter Habbo Knoch es ablehnte, Mittel dafür bereitzustellen. Im Oktober hatte Knoch vom ausrichtenden Landesjugendring ein neues Konzept für die Kooperation gefordert. Dieses „wurde dann auch geliefert, aber für nicht ausreichend befunden. Nach einer bisher noch nie dagewesenen langen Winterpause wurde das überarbeitete Konzept dann im Januar abgelehnt”, berichtet Elke von Meding von der AG Bergen-Belsen. Die AG und der Landesjugendring wollten diese Ablehnung nicht einfach hinnehmen und wandten sich an die Niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), die Vorsitzende des Stiftungsrates ist. Auch der Celler SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt und sein Kollege Heiner Scholing (Grüne) intervenierten.

„Das IWC ist seit zwei Jahrzehnten eine wichtige Veranstaltung für unsere Region mit großer Tradition und internationaler Strahlkraft: Hier wird Völkerverständigung gelebt – deshalb wäre eine Absage undenkbar gewesen”, sagt Schmidt. Schließlich entschied die Ministerin jetzt, dass das Camp stattfinden und das Land die Veranstaltung unterstützen wird. Es geht dabei um eine Summe von 32.000 Euro. Woher das Geld jetzt kommt, ist aber noch unklar.

Habbo Knoch verteidigt die Entscheidung der Absage. Der Landesjugendring habe nach mehreren erfolglosen Anläufen seit Sommer 2013 die Gelegenheit gehabt, ein Konzept zur Kooperation einzureichen. Das im Dezember vorgelegte Papier „beinhaltete keine Kooperation, sondern schrieb das IWC in seiner jetzigen Form und Trägerschaft fort. Es ergab sich trotz mehrerer Gespräche und Nachbesserungsmöglichkeiten keine ausreichend belastbare Grundlage, die eine inhaltliche und organisatorische Kooperation erwarten ließen”, so Knoch. Es habe zudem keine Winterpause gegeben, sondern nur eine „Einschränkung der öffentlichen Dienstleitung”, die als Entlastungsphase wichtig sei, um „die Substanz der Stiftungsarbeit und die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft zu sichern. Das Gelände der Gedenkstätte und die Außenausstellung waren jederzeit zugänglich”, so Knoch.

Für Elke von Meding wäre eine Absage dadurch trotzdem nicht zu rechtfertigen gewesen. „Man kann über das Konzept reden, aber das geht auch im laufenden Prozess. Die Kontakte ins Ausland wären beim Ausfall gefährdet gewesen”, so von Meding.

Sie nimmt den Vorfall zum Anlass, die generelle Ausrichtung der Stiftungsarbeit zu hinterfragen. „Derzeit steht die historische Arbeit oft im Vordergrund, ich würde mir wünschen, dass die pädagogische Arbeit in der zukünftigen Ausrichtung ein stärkeres Gewicht bekommt”, so von Meding. Dazu sei es auch notwendig, die Jugendverbände wieder stärker als in der jüngsten Vergangenheit mit einzubinden.

Knoch verweist auf die finanziell knapp bemessenen Mittel. Dabei müssten alle Aufgaben des Gedenkens, Bewahrens, Forschens und Vermittelns ausreichend berücksichtigt werden. „Durch den Auf- und Ausbau eines pädagogischen Zentrums sowie die Qualifizierung bestehender sowie die Entwicklung und Vorbereitung neuer Bildungsformate hat die Gedenkstätte in den letzten Jahren einen deutlichen Schritt zur Professionalisierung ihrer Bildungsarbeit getan”, sagt Knoch. Ohne aktive Sammlungstätigkeit, Quellenrecherche und themenbezogene Forschung sei diese aber nicht ausreichend aufgestellt.

Von Tore Harmening