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Lohheide Junge Wölfe erkunden Umgebung zunehmend auf eigene Pfote
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Junge Wölfe erkunden Umgebung zunehmend auf eigene Pfote
17:54 03.02.2014
Lohheide

Es sei nicht so, dass der vierköpfige Nachwuchs wie Gänseküken ständig hinter einem Alttier herlaufe. Sie ließen sich in Becklingen sehen, auch bei Meißendorf wurden sie schon gesichtet. Die Wolfsfährten auf dem Übungsgelände seien natürlich häufiger zu finden als vor einem Jahr, was logisch ist: Sechs Wölfe haben mehr Pfoten als zwei.

Ob die 2012 auf dem Truppenübungsplatz Munster geborenen Wölfe sich dort immer noch aufhalten, ist nach Tilks Worten nicht sicher. Es könne sein, dass der Rüde eventuell schon abgewandert sei. Die beiden Jährlingsfähen, die weiblichen Tiere, aus dem Jahr 2012 seien im Herbst vergangenen Jahres auch in Unterlüß gesehen worden. Eins der beiden Tiere humpelt, deshalb ist es sicher zu identifizieren. Während der Übungsplatz Bergen das Revier der dortigen Wölfe nahezu abdecke, seien die Tiere aus Munster häufiger auch außerhalb unterwegs.

Erst am Dienstag habe eine Frau im Bereich Soltau eine Begegnung mit einem Wolf gehabt. Beim Spaziergang mit ihrem Hund sei etwa 20 Meter vor ihr ein Wolf aufgetaucht. Er habe sie interessiert angeschaut und sei dann seines Weges gegangen. Nicht einen Moment habe sie gedacht, dass es für sie gefährlich sein könnte, berichtet Tilk. Nach seinen Beobachtungen sind die Wölfe aus Munster weniger scheu. Er erklärt das mit individuellen Unterschieden der Tiere, die auch weitergegeben werden könnten. "Was die Mutter den Welpen nicht beibringt, werden sie nicht lernen", sagt der Wolfsberater.

Die Sichtbeobachtungen von Wölfen sind nach seinen Worten schwierig zu deuten. Wenn keine Fotografien oder Videos vorliegen, könnten keine Aussagen getroffen werden, um welche Wölfe es sich handelt.

Jäger berichten aus anderen Bereichen, dass das Wild in größeren Rudeln anzutreffen ist, seit der Wolf durch die Gegend streift. "Das stellen wir in Bergen so nicht fest", sagt der Förster des Bundesforstbetriebs Lüneburger Heide. Jetzt sei auch zu hören, dass das Wild nur noch nachts aktiv sei. Das klinge aber nicht logisch, so Tilk, denn da die Wölfe überwiegend nachts jagen, müsste das Wild ja zunehmend am Tag unterwegs sein, um so der Gefahr durch den zurückgekehrten Feind zu entgehen. Die Erfahrung der vergangenen Monate lässt Tilk zu dem Schluss kommen: "Wo die Wölfe wirklich sind, ist das Wild nicht so verängstigt wie dort, wo sie noch gar nicht angekommen sind."

Von Joachim Gries