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Lohheide KZ-Überlebender Rudi Oppenheimer spricht vor Soldaten in Lohheide
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide KZ-Überlebender Rudi Oppenheimer spricht vor Soldaten in Lohheide
10:22 28.01.2017
Von Christopher Menge
Rudi Oppenheimer überlebte das Konzentrationslager Bergen-Belsen. Gestern erzählte er Soldaten seine Lebensgeschichte. Quelle: Christopher Menge
Lohheide

Oppenheimer überlebte – unter anderem, weil er im Konzentrationslager bei der Essensausgabe eingeteilt war und so heimlich den Hunger etwas stillen konnte. Die Frage eines Soldaten, ob er damals schon gewusst hätte, was in den Vernichtungslagern im Osten vor sich ginge, beantwortete Oppenheimer. Ein anderer Junge habe ihm gesteckt, dass die Juden in Polen verbrannt würden. „Als ich meine Mutter fragte, ob das stimmt, bekam ich keine Antwort – da wusste ich, dass es stimmt“, sagte Oppenheimer. „Aber das hat uns damals nicht interessiert. Wir hatten Hunger und Durst. Das war das einzige, was wichtig war.“

Der Standortälteste, Oberst Jörg Wiederhold, hatte die Veranstaltung anlässlich des Gedenktages an die Opfer des Nationalsozialismus gemeinsam mit der Gedenkstätte Bergen-Belsen initiiert. „Wir sind Angehörige einer Parlamentsarmee“, sagte Wiederhold, „für die im Grundgesetz verankerte Menschenwürde, die damals viele nicht mehr hatten, dafür stehen wir.“ Bevor der Zeitzeuge seinen Vortrag begann, stellte der Standortälteste ihn den Soldaten verschiedener Bundeswehrstandorte und des deutsch-niederländischen Panzerbataillon 414 kurz vor.

Oppenheimer wurde 1931 als Sohn zweier Deutscher in Berlin geboren. Mit fünf Jahren emigrierte er mit seiner Mutter und seinem Bruder Paul nach London. „Ich war stolz, ein Deutscher zu sein“, sagte Oppenheimer, „als ich dann in England erfuhr, dass die Nazis keine Juden mögen, mochte ich sie auch nicht mehr.“ Fortan fühlte er sich als Brite – bis er nach Heemstede in den Niederlanden kam. „Dann war ich ein Holländer“, sagte er lachend. „Es war eine schöne Zeit.“ Doch nach dem Einmarsch der Deutschen in den Niederlanden 1940 wurden die Rechte der Juden immer weiter eingeschränkt.

Die in Heemstede wieder zusammengeführte Familie hatte zwar lange Zeit Glück, weil Rudi Oppenheimers Schwester Eve in London geboren wurde und somit Britin war, doch über Amsterdam und das Übergangslager Westerbork wurde er mit seiner Familie Mitte 1943 nach Bergen-Belsen deportiert. Anfang 1945 verlor er dort erst seine Mutter und seinen Vater. Fünf Tage bevor das das Lager am 15. April 1945 von der britischen Armee befreit wurde, verließ Oppenheimer das Lager. Er und andere sogenannte Austauschjuden sollten vermutlich nach Theresienstadt gebracht werden. Am 18. April verließen die Wachen den Zug. Rudi Oppenheimer war frei, kam aber später in den Niederlanden als deutscher Jude in ein Lager mit NS-Verbrechern. Erst als er im November 1945 nach England kam, begann ein neues Leben für ihn.