Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lohheide Läufer erinnern in Bergen-Belsen an Widerstandskämpfer
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Läufer erinnern in Bergen-Belsen an Widerstandskämpfer
19:58 03.05.2015
Von Simon Ziegler
"Die Opfer des Zweiten Weltkrieges nie vergessen": Die Bürgermeister Rainer Prokop und Marion Leurs schnitten auf dem Vorplatz der Gedenkstätte das Startband für den Kaplan-Berix-Lauf durch. Quelle: Benjamin Westhoff
Lohheide

Kaplan Jan Wilhelm Berix wurde keine 38 Jahre alt. Er starb am 13. März 1945 im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Der Kaplan aus den Niederlanden war während des Zweiten Weltkrieges in den Widerstand eingetreten, ehe er von den Nazis verschleppt wurde. Dieser Tage, mehr als 70 Jahre nach seinem Tod, erinnern sich vor allem im niederländischen Stein, seiner Heimatstadt, viele Menschen an "Kapelaan" Berix. Dort steht ein Denkmal zu Ehren des mutigen Mannes.

Gestern begann ein Erinnerungslauf vor der Gedenkstätte Bergen-Belsen. Zwölf Läufer wollen innerhalb von 33 Stunden die 420 Kilometer zwischen Bergen und Stein in einem Staffellauf zurücklegen. Das heißt, jeder Sportler der Gruppe "Ultraloop Stein" muss in mehreren Etappen etwa 35 Kilometer laufen – fast ein Marathon. Sie laufen mit Fackel über Nienburg, Rheine, Hopsten, Sudlohn, Xanten, Venlo und Roermond Richtung Stein. Die letzte Etappe wollen sie gemeinsam mit Schülern zurücklegen.

Nach dem Start fand auf dem Gelände der Gedenkstätte am Obelisken eine Zeremonie statt. "Die Athleten laufen von diesem historischen Ort zum Monument des Steiner Widerstandshelden Berix. Es ist das Ziel, jeden darauf aufmerksam zu machen, dass die Opfer des Zweiten Weltkrieges nie vergessen werden dürfen", sagte die Bürgermeisterin von Stein, Marion Leurs. "Lasst uns lernen von unserer Vergangenheit. Dies gelingt am besten, indem wir zusammenarbeiten und unsere Kräfte bündeln", warb Leurs für die deutsch-niederländische Freundschaft. Sie stand an der Spitze einer Delegation, die aus den Niederlanden nach Bergen-Belsen gekommen war. Auch ein TV-Sender aus dem Nachbarland war vor Ort, um den Start des Laufes und die Gedenkzeremonie aufzuzeichnen.

Bergens Stadtoberhaupt Rainer Prokop betonte die Gefahr, dass die Erinnerung an das Geschehene allmählich verblasse. "Die Zeitzeugen können bald ihre Stimme nicht mehr erheben. Ihr Erinnerungslauf ist ein guter Weg, das Vermächtnis von Kaplan Berix nachfolgenden Generationen weiterzugeben", sagte Prokop. Er will zur Zielankunft heute Nachmittag in die Niederlande reisen.

Bevor Prokop und Leurs einen Kranz zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers niederlegten, sprach Dr. Thomas Rahe, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte über die niederländischen Opfer in Bergen-Belsen. "5200 Namen von Häftlingen aus den Niederlanden kennen wir. Neben den jüdischen Häftlingen gab es auch viele politische Häftlinge, Kaplan Berix war einer davon", erklärte Rahe. Er erinnerte auch an das Schicksal von Anne Frank, die 1934 mit ihrer Familie in die Niederlande auswanderte. Ihr weltberühmtes Tagebuch hatte sie in Amsterdam geschrieben, ehe ihr Versteck verraten wurde. "Der Staffellauf ist eine angemessene Form der Erinnerungskultur, so ungewöhnlich er auch ist", so Rahe.