Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lohheide „Lebensbilder“ von Madeleine Weis-Bauler in Gedenkstätte Bergen-Belse
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide „Lebensbilder“ von Madeleine Weis-Bauler in Gedenkstätte Bergen-Belse
21:16 18.08.2010
Ausstellung "Lebensbilder" von Madeleine Weis-Bauler im Pädagogischen Zentrum der Gedenkstätte Bergen-Belsen - Einführung: Dr. Kathrin Mess vor Werken von M. Weis-Bauler Quelle: Aneka Schult
Lohheide

„Und doch – niemals hab’ ich darüber sprechen können..., aber in manchen Nächten, dann holt es mich ein.“ Madeleine Weis-Bauler, 1921 geboren in Esch-Alzette, hat einen anderen Ausdruck für das gefunden, was ihr und unzähligen mit ihr widerfahren ist. Die „Lebensbilder“ der Luxemburgerin sind im Pädagogischen Zentrum der Gedenkstätte Bergen-Belsen zu sehen. Sie zeugen von der künstlerischen Auseinandersetzung mit dem Thema Konzentrationslager: unmittelbar oder nur noch als leiser Anklang, als alptraumhafter Farbausbruch oder übertrumpft von Lebensgier, ja Lebensfreude. Diese blüht auf in Blumen, Landschaften, der Ruhe des Waldes. Jedoch die surreale Illustration „Mahnmal in Oradur sur Glane...“ trübt die glückliche Sorglosigkeit mancher Bilder und ruft das Massaker von Oradour am 10. Juni 1944, bei dem ein ganzer Ort zerstört und fast alle Einwohner ermordet wurden, ins Gedächtnis zurück. Eine Rose ist keine Rose, sondern wird geerdet durch ein Stück Stacheldraht. Weis-Bauler bedient sich häufig solcher Chiffen aus der Welt der Lager. Gegenüberstellungen in der Hängung betonen noch empfundene Brüche, so Momente der „Kommunikation“ wie der „abgebrochenen Kommunikation“, finden ihren Fluchtpunkt mal im Licht der aufwärts führenden „Treppen in Jerusalem“, ein anderes Mal in den Höllen des von Schienen angepeilten Krematoriums. Licht und Schatten lassen sich nicht trennen, die „Schatten der Verfolgung“ sich nicht verjagen. Die Kunstwerke der Autodidaktin, die im Konzentrationslager Bergen-Belsen befreit wurde, spiegeln diese Gespaltenheit der Seele, auch wenn Kathrin Mess, Kuratorin der Ausstellung, in ihrer Rede von einer lebenslustigen Weis-Bauler sprach. Wille und Trauma sind nicht vereinbar. Zu unfassbar sind die erfahrenen Leiden. Nach dem unaussprechlichen Entsetzen wählte Weis-Bauler, die ehemalige Resistenzlerin, das Schweigen. Während der Nazi-Besatzung war sie als Mitglied der „Luxemburger Freiheitskämpfer“ tätig, bis sie 1944 verhaftet und ins KZ Ravensbrück und Bergen-Belsen deportiert wurde, aus dem man sie schließlich befreite. Es waren ihre Enkel, die sie 1999 zum Erzählen brachten. Weis-Bauler schrieb ihre Biografie „Aus einem anderen Leben“. Sie wurde 2002 publiziert. Dieser Zeitzeugenbericht sei einzigartig in der Luxemburger Kulturlandschaft, so Mess. Die Bilder reden für sich. „Dass wir so leer waren – leer gehungert, leer gedurstet, leer gefühlt, leer gelitten – leere Hülsen ... Dass kein Funken Freude in uns war.“ Doch sie bezeugen zugleich das Höchste: das Leben.

Öffnunsgzeiten: Bis 17. Oktober in der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Anne-Frank-Platz, Lohheide, täglich von 10 bis 18 Uhr, ab Oktober täglich von 10 bis 17 Uhr. Zur Finissage am 17. Oktober um 15 Uhr erfolgt eine Lesung aus der Autobiografie.

Von Aneka Schult