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Lohheide Lionsclub hilft beim Aufräumen
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Lionsclub hilft beim Aufräumen
17:47 11.03.2012
Mit S‰gen und Astscheren schneiden die Mitglieder des Lionsclubs Hannover-Wietzeaue die Triebe der Traubenkirsche zur¸ck. Hier standen fr¸her die Baracken des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Quelle: Joachim Gries
Lohheide

„Es ist wichtig, dass wir das im Gedächtnis behalten“, sagt Heinrich Lanfermann. Mit einer Astschere schneidet er die Triebe einer Traubenkirsche bis auf den Boden zurück. Ungewohnte Tätigkeit für den Professor und Neuroradiologen an der Medizinischen Hochschule Hannover. Neben ihm sind weitere Astscheren und Handsägen im Einsatz, Männer tragen Zweige und Holzstämme zusammen, im Hintergrund dröhnt ein Häcksler und wirft Holzschnitzel im hohen Bogen aus.

15 Mitglieder des Lionsclubs Hannover-Wietzeaue sind an diesem Sonnabend seit 9.30 Uhr auf dem Gelände der Gedenkstätte Bergen-Belsen im Einsatz und befreien ein Waldstück von Gestrüpp, Ästen und totem Holz. Wo jetzt Kiefern wachsen, stand bis 1945 eine Baracke des Konzentrationslagers. Erst 1991 begannen Jugendliche mit der Freilegung der Überreste der Baracken, erst seit 2009 ist dieser Teil des ehemaligen Lagers offiziell Teil der Gedenkstätte. Zurzeit entstehen an den Stirnseiten der Waldparzellen neue Schilder, die die Lagertopografie darstellen.

„Ich hoffe, dass es in der Bevölkerung viele gibt, die das nicht vergessen“, sagt Lanfermann. Man müsse sehr wachsam sein, sonst bestehe die Gefahr, dass sich so etwas wiederhole. Er rechnet nach der ungewohnten Arbeit mit Muskelkater. „Aber das muss sein“, fügt der Mediziner hinzu.

Die Idee zum Einsatz hatte Martin Steinbömer. Bei einer Führung wies Bettina Staats von der Gedenkstätte darauf hin, dass hier Handlungsbedarf bestehe. Der Zahnarzt aus Celle nahm die Anregung mit in den Lionsclub und fand große Zustimmung. Von 33 Mitgliedern war am Sonnabend fast die Hälfte dabei. Das sei doch selbstverständlich, als Celler sei ihm die Gedenkstätte natürlich bekannt, sagt Thomas Treude aus der Herzogstadt. Clubpräsident Jürgen Höper aus Winsen kann sich eine Wiederholung der Aktion mit seinen Männern gut vorstellen. „Eventuell können wir auch andere Clubs dazu bewegen“, hofft der Autohändler.

„Hilfe können wir immer gebrauchen“, sagt Jens Manegold, Angestellter der Stiftung niedersächsischer Gedenkstätten. Der Einsatz des Lions-Clubs ist nach der Winterpause der erste in diesem Jahr. Vier Mal im Jahr helfen Reservisten der Bundeswehr. Die Überreste des Konzentrationslagers für Besucher wieder sichtbar zu machen, ist Teil des Masterplans der Gedenkstätte. Maschineneinsatz ist nur sehr begrenzt möglich. „Es ist ein Friedhof“, sagt Manegold. Er fällt mit einer Motorsäge die dickeren Stämme und zerkleinert das Totholz. Der Rest ist Handarbeit.

Von Joachim Gries