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Lohheide Offener Brief der Antifaschistischen Linke Celle: "Adolf Haas war NS-Mörder"
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Offener Brief der Antifaschistischen Linke Celle: "Adolf Haas war NS-Mörder"
17:34 13.12.2016
Von Christopher Menge
Unter der Verantwortung von Adolf Hass starbenim KZ Niederhagen/Wewelsburg und im KZ Bergen-Belsen mindestens 3026 Menschen. Quelle: Udo Genth
Lohheide

„In diesem KZ wurden mehr als 52.000 Menschen ihres Lebens beraubt. Ein großer Teil der etwa 120.000 im KZ Bergen-Belsen eingesperrten, zu grausamer Arbeit gezwungenen, gefolterten und ermordeten Menschen waren Juden. Vor diesem Hintergrund verbietet sich die Frage, ob Adolf Haas womöglich ein ,Judenhasser‘ war“, heißt es in dem Offenen Brief. Saß hat dazu geantwortet, dass es ihm als Historiker aber auch als Mensch, der Faschismus, Rassismus, Antisemitismus und sonstige radikalen Ideologien ablehne, wichtig sei, die Taten von Haas aufzuarbeiten und öffentlich zu machen.

„Dafür ist es aber auch aus meiner Sicht notwendig, seine Motive zu hinterfragen. Tatsächlich musste ich während meiner Recherchen jedoch feststellen, dass ein radikaler Antisemitismus nicht in erster Linie Haas‘ Denken und Handeln geprägt hat. Das Zitat, wonach Haas ,kein Judenhasser‘ gewesen sei, stammt nicht zuletzt von einem jüdischen Häftling aus Bergen-Belsen“, sagt der Historiker. Andere Überlebende hätten berichtet, dass er sogar manche Juden aus Sympathie vor Transporten nach Auschwitz beschützte oder jüdischen Kindern warme Schuhe für den Winter besorgte. Er betont aber: „Ich verurteile ihn und seine Verbrechen nach wie vor aufs Schärfste.“

Unterstützung erhält Saß von Jens-Christian Wagner, Geschäftsführer der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten. „In dem sehr differenzierenden Vortrag kam sehr wohl das verbrecherische Agieren von Adolf Haas insbesondere als Kommandant der Konzentrationslager Niederhagen und Bergen-Belsen zur Sprache und wurde auch mit konkreten Daten wie etwa der Todesrate unter den Häftlingen dieser beiden Lager unter dem Kommando von Haas belegt“, so Wagner. „Allerdings war der Antisemitismus bei weitem nicht die einzige ideologische Triebfeder für die NS-Verbrechen.“

In dem Offenen Brief wird weiterhin kritisiert, dass die Eignung von Haas als Kommandant angezweifelt wurde. „Für die menschenverachtenden Aufgaben wäre er nicht fleißig genug gewesen. Diese Annäherung an Adolf Haas‘ Karriere folgt der faschistischen Logik der SS, die mehr Disziplin von einem ihrer Funktionäre bei der Ausübung ihrer grausamen Verbrechen erwartet hätte“, so die Verfasser. Saß entgegnet dem, dass er, nachdem er sich intensiv mit Haas‘ Karriere und Persönlichkeit auseinandersetzt habe, zu dem Schluss gekommen sei, dass seine Lagerpolitik von Unfähigkeit, Willkür, Ignoranz und Bequemlichkeit geprägt war. Vielmehr als ein radikaler Antisemitismus waren jedoch sein Gehorsam und sein Karrierestreben seine wichtigsten Triebfedern, die ihn bewegten, sich willig in die Mordmaschinerie einzufügen, meint der Historiker.