Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lohheide Topografie des Terrors greifbar machen
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Topografie des Terrors greifbar machen
16:32 06.08.2010
Arbeiten an der ehem. Entlausungsstation Quelle: nicht zugewiesen
Lohheide

Wo vorher alles mit Bäumen zugewachsen war, ist jetzt wieder eine mehr als einen Kilometer lange Rasenfläche entstanden. Die Besucher der Gedenkstätte Bergen-Belsen werden durch einen langen Gang aus dem Dokumentationszentrum auf eine Plattform in der Mitte dieser Fläche geleitet. Es ist die Mitte des einstigen Lagers Bergen-Belsen.

„Wir wollen die Topografie des Lagers wieder deutlich machen“, sagt der Geschäftsführer der Stiftung Niedersächsischer Gedenkstätten, Habbo Knoch. Das Freischneiden der Längsachse war ein erster Schnitt, jetzt werden die weiteren topografischen Punkte des Lagers deutlich gemacht. Gleichzeitig wird ein Besucherleitsystem etabliert. Seit August läuft die Umsetzung und wird wohl mit mehreren 100000 Euro durch das Land und den Bund gefördert.

Nachbauten zum Beispiel von Baracken wird es nicht geben, weil sie die Realität von damals aus Sicht der Verantwortlichen nur unzureichend widerspiegeln können. Allerdings wird es in einem zweiten Schritt darum gehen, die wenigen Relikte des Lagers zu sichern und zu zeigen. Gerade haben Reservisten der Bundeswehr an den Fundamenten der ehemaligen Entlausung des Lagers gearbeitet, weil im Winter unter der Schneelast ein Schutzzelt zusammengebrochen ist, das das dort THW errichtet hatte. Damit die bisher freigelegten Segmente vor den Witterungseinflüssen einigermaßen geschützt sind, wurden diese wieder mit etwa zehn Kubikmetern Sand aufgefüllt. Auch ein Wasserbecken, das Wächter des Lagers als Schwimmbad benutzten, wurde von Pflanzenbewuchs befreit und kleinere Stellen unter Anleitung einer Archäologin ausgebessert.

„Bei der Erhaltung dieses Materials betreten wir Neuland“, sagt Knoch. Denn der Beton war eigentlich nur für kurzfristige Lebensdauer ausgelegt. Auch Spezialisten von der Denkmalpflege haben dafür noch kein Patentrezept. Vor ähnliche Probleme stellt die Experten der alte Lagerweg. Er liegt derzeit unter einer Erdschicht und wird nicht freigelegt, um ihn vor Wettereinflüssen zu schützen. Die Frage wird sein, wie die Experten einerseits die wenigen Überbleibsel erhalten, sie andererseits aber auch so gestalten, dass die Besucher sie sich ansehen können.

In einem dritten Schritt schließlich sollen die Namen der Opfer, die im Lager ums Leben kamen wieder sichtbar gemacht werden. Für dieses Projekt wird der Antrag durch die Stiftung gerade vorbereitet. Idee gibt es laut Knoch auch schon, aber bisher noch keine Entscheidung.

Von Tore Harmening