Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Lohheide Workcamp in Bergen-Belsen: "Verstehen, was passiert ist"
Celler Land Bergen und Lohheide Lohheide Workcamp in Bergen-Belsen: "Verstehen, was passiert ist"
18:20 22.03.2018
Quelle: Marie Nehrenberg
Lohheide

Sie kommt aus Israel und wünscht sich, dass die Geschichte ihrer Vorfahren nicht vergessen wird. Deswegen sei es auch für ihre Generation wichtig, die Geschehnisse aufzuarbeiten und weiterzutragen. Und genau darum geht es in dem Jugendworkcamp, der bilingual, auf Deutsch und Englisch, gestaltet ist. Noch bis zum kommenden Donnerstag werden die 15- bis 18-Jährigen – aus insgesamt acht Nationen – in Bergen-Belsen und im Anne-Frank-Haus in Oldau in Workshops die Geschichte im ehemaligen Konzentrationslager aufarbeiten.

Zu Beginn führt die Reise die Jugendlichen zur Rampe, einem historischen Ort. Hier begann der Weg der Kriegsgefangenen, die unter schärfster Bewachung sechs Kilometer zu Fuß ins Lager getrieben wurden. Ein schlimmer, aber auch wichtiger erster Eindruck für alle. „Wir Israelis wollen verstehen, was passiert ist. Und deswegen muss ich sehen, wo alles begann“, beschreibt der 16-jährige Gilor seine Beweggründe.

Im Anschluss steht eine Führung durch die Ausstellung der Gedenkstätte auf dem Programm. „Da die Teilnehmer aus unterschiedlichen Ländern kommen, haben sie alle einen unterschiedlichen Wissensstand“, weiß Gesa Lonnemann, Leiterin des internationalen Jugendworkcamps. Das Ziel sei, dass alle Perspektiven beleuchtet werden, dass jeder sein Wissen teile und das Verständnis der damaligen Ereignisse größer werde. Dabei weiterhelfen soll in der kommenden Woche eine „lebendige Bibliothek“. „Wir haben einige Aktivisten eingeladen, die sich als wandelndes Lexikon zur Verfügung stellen und den jungen Leuten Rede und Antwort stehen.“ Dabei repräsentieren sie Gruppen, die damals und auch heute noch verfolgt werden. „Wir wollen auch einen aktuellen Bezug herstellen und vermitteln, dass Diskriminierung und Verurteilung heutzutage genauso vorhanden sind wie damals auch“, unterstreicht Lonnemann die Bedeutung der Veranstaltung. „Mir ist wichtig, dass die Ereignisse auch auf die heutige Zeit projiziert werden“, pflichtet Vincent (16) bei.

Brücken bauen und Vorurteile abbauen. Was in der heutigen Welt nach einer großen Herausforderung klingt, wird bis Gründonnerstag in Oldau und Belsen aktiv gelebt. Die Jugendlichen sind aus Deutschland, Israel, Polen, Russland, Weißrussland, der Slowakei, der Ukraine und Litauen im Anne-Frank-Haus zusammengekommen. Neben aller Theorie und Praxis entstehen auch grenzüberschreitende Freundschaften, die dazu beitragen, dass die jungen Europäer zu toleranten und offenen Erwachsenen werden. „Ich erwarte, dass ich neue Dinge über die schrecklichen Ereignisse damals lerne. Und dass ich viele nette Leute kennenlerne“, bestätigt die Hannoveranerin Parimah (18).

Und so scheint Gesa Lonnemann gemeinsam mit ihrem Team auf einem guten Weg zu sein, die Geschichte lebendig zu halten und die Jugendlichen für die unmenschliche Vergangenheit zu sensibilisieren. „Das Projekt ist historisch gewachsen und bietet inzwischen eine einzigartige Vielfalt unterschiedlicher Nationen“, fasst Lonnemann zusammen.

Von Marie Nehrenberg

Als bayerischer Landtagsabgeordneter und Mitbegründer der bayerischen Arbeiterwohlfahrt war Clemens Högg während der Weimarer Republik ein prominenter Gegner der Nationalsozialisten. Diese verfolgten ihn nach ihrer Machübernahme 1933 mit aller Härte. Fast die gesamte Zeit der NS-Herrschaft verbrachte Clemens Högg in Haft. Im Februar 1945 überstellte ihn die SS vom KZ Sachsenhausen in das KZ Bergen-Belsen. Dort starb er am 11. März 1945.

Christopher Menge 12.03.2018

Obwohl die Veranstalter ein Zelt aufgebaut hatten, war es am Sonntag bei der Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Deportation der Sinti und Roma nach Auschwitz ziemlich kalt am Obelisk in der Gedenkstätte Bergen-Belsen. "Die Menschen hatten damals weniger Kleidung als wir und keine festen Schuhe. Von einem Leichnam haben sie Kleidung genommen, um die Füße zu wärmen", sagte Samantha Rose vom Forum für Sinti und Roma. "Wir gedenken, was die Menschen durchmachen mussten." Etwa 120 Gäste waren in die Gedenkstätte gekommen, um an einen Teil der Nazi-Verbrechen zu erinnern, der im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent ist. 500.000 Sinti und Roma wurden im Dritten Reich von den Nazis ermordet.

Christopher Menge 04.03.2018

Aus Anlass des 75. Jahrestages der Transporte nach Auschwitz erinnern der Niedersächsische Verband Deutscher Sinti, das Forum für Sinti und Roma Hannover und die Gedenkstätte Bergen-Belsen am Sonntag, 4. März, ab 11 Uhr mit einer zentralen Gedenkveranstaltung in Bergen-Belsen an den nationalsozialistischen Völkermord an den Sinti und Roma, dem zwischen 100.000 und 500.000 Menschen zum Opfer fielen. Hauptredner ist Romeo Franz, Geschäftsführer der Hildegard-Lagrenne-Stiftung in Berlin. Für die niedersächsische Landesregierung wird Kultusminister Grant Hendrik Tonne sprechen. Gäste sind bei der öffentlichen Gedenkveranstaltung willkommen.

01.03.2018