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Eschede 500 Menschen zeigen Nazis die rote Karte
Celler Land Eschede 500 Menschen zeigen Nazis die rote Karte
21:27 17.12.2011
Bei der Demonstration wurden viele Plakate und Spruchb‰nder mitgef¸hrt. Quelle: Alex Sorokin
Eschede

Knapp 500 Menschen haben am Samstagnachmittag in Eschede gegen die Nazitreffen auf dem Hof des Landwirts und NPD-Mitglieds Joachim Nahtz demonstriert. Bei der Auftaktveranstaltung am Escheder Bahnhof sagte der Unterlüßer Pastor Wilfried Manneke: „Wie gefährlich sind die Nazis? Diese Frage stellt sich seit Donnerstag ganz neu.“ In der Nacht zu Donnerstag waren auf das Pfarrhaus der Friedenskirche Unterlüß und auf das Wohnhaus von Klaus Jordan in Niederohe Brandanschläge verübt worden. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, rief Manneke den Demonstrationsteilnehmern zu.

Jordan sagte, er freue sich besonders über jene Escheder Bürger, die sich seit der letzten Demo zum Erntedank getraut hätten, ihre Meinung hier und heute öffentlich auf die Straße zu tragen. „Diese Form der Öffentlichkeit ist mehr denn je von großer Wichtigkeit, Denn Nazis fühlen sich da stark, wo ihnen eine schweigende oder tendenziell zustimmende Bevölkerung gegenübersteht.“

Auch der Celler Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) rief dazu auf, Gesicht zu zeigen. „Immer wieder, so lange sich Nazis auf dem Hof Nahtz treffen.“ Er forderte dazu auf, gegen Vorurteile und Intoleranz einzuschreiten. Nur so könne man langfristig die Bevölkerung von dieser Ideologie befreien.

Bei einer Zwischenkundgebung zwischen Eschede und der Marinesiedlung, unweit der Abfahrt zum Hof Nahtz, stellte die SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann fest, dass mit den Protesten schon viel erreicht worden sei. So sei ein Schulungszentrum in Gerdehaus verhindert worden, und auch in Eschede habe man heute ein Treffen der Neonazis so unattraktiv gemacht, dass es nicht stattfinde.

Am Mittag war von der Polizei zu erfahren, dass es eine Wintersonnwendfeier bei Nahtz nicht geben werde. Die Polizei sprach dem Celler Neonazi Dennis Bührig sowie einem Begleiter Platzverweise aus, als sie sich kurz vor dem Beginn der Demonstration dem Escheder Bahnhof näherten.

Am Spätnachmittag nahmen am Escheder Bahnhof rund 150 Personen an einer Andacht unter dem Motto „Lichter gegen Extremismus“ teil. Eschedes zweiter stellvertretender Bürgermeister Hans-Jürgen Soltendieck (SPD) sagte, die Anwesenden stünden für ein Deutschland ein, „in dem alle ohne Angst verschieden sein können und sich sicher fühlen – ein Land, in dem Respekt, Vielfalt und Weltoffenheit lebendig sind“.

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Von Joachim Gries