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Eschede Angst vor Nazis und Rockern: Gemeinde Eschede ersteigert Dorfkrug
Celler Land Eschede Angst vor Nazis und Rockern: Gemeinde Eschede ersteigert Dorfkrug
17:25 22.01.2014
In den vergangenen Jahren firmierte der frühere Dorfkrug in Habighorst unter dem Namen Hexenkessel. Mit dem Erwerb will die Gemeinde Eschede vermeiden, dass es hier künftig aus ganz anderen Gründen brodelt. Quelle: Joachim Gries
Habighorst

Den Ärger mit Immobilienbesitz in falscher Hand wie derzeit an der Dasselsbrucher Straße in Westercelle wollte die Kommune in Habighorst vermeiden. Die Gemeinde Eschede hat bei der Zwangsversteigerung des ehemaligen Dorfkrugs in Habighorst geboten und den Zuschlag erhalten. Damit wurde verhindert, dass sich unliebsame Besitzer wie Rocker oder Rechtsextremisten im Habighorster Ortskern festsetzen.

Im Hexenkessel in Habighorst brodelt es schon lange nicht mehr. Seit Jahren steht der größte Teil des ehemaligen Dorfkrugs leer, am Mittwoch wurde das Gasthaus versteigert. Einziger Bieter war die Gemeinde Eschede, sie erhielt für ihr Gebot über 15.000 Euro den Zuschlag. Beim Verkündungstermin am 5. Februar wird feststehen, ob die Kommune tatsächlich zum Zuge kommt. Da das Gebot weniger als 30 Prozent des Verkehrswertes beträgt, ist dem so genannten Verschleuderungsgebot Rechnung getragen, wenn der Schuldner über das Ergebnis der Versteigerung informiert wird und auf Rechtsschutz verzichtet. Die Gläubiger hatten gestern signalisiert, dass sie das Gebot akzeptieren werden.

Seit November 2010 lief das Zwangsversteigerungsverfahren für die Immobilie an der Dorfstraße 17 in Habighorst. Der Besitzer stand bei der Sparkasse Celle in der Kreide, in der Zwischenzeit waren auch Schulden beim Abwasserverband Matheide, bei einer Brauerei und bei der Kommune aufgelaufen. Der Verkehrswert von Gebäude und 1534 Quadratmeter großem Grundstück wurde mit 77.000 Euro beziffert, beim gestrigen Versteigerungstermin war das Mindestangebot auf 9910,02 Euro festgesetzt worden. Wilfried Nieberg, allgemeiner Vertreter von Bürgermeister Günter Berg im Escheder Rathaus, bot nach kurzer Besprechung mit den Gläubigern 15.000 Euro und erhielt um Punkt 10.39 Uhr den Zuschlag.

Nachdem sich bei einem früheren Versteigerungstermin andeutete, dass das Haus in falsche Hände geraten könne, habe die Kommune Kontakt mit dem Landkreis aufgenommen. Der Kreis als Aufsichtsbehörde achtet darauf, dass Eschede den Entschuldungshilfevertrag mit dem Land einhält, von dort gab es Zustimmung für das weitere Vorgehen. In der vergangenen Woche wurde der Ortsrat Habighorst in nichtöffentlicher Sitzung informiert, zudem gab der Verwaltungsausschuss der Gemeinde Eschede in der vergangenen Woche mit einer Eilentscheidung ebenfalls grünes Licht.

Erworben hat die Gemeinde ein Gebäude in weitgehend desolatem Zustand. Es ist vermüllt, die Inneneinrichtung ist weitgehend zerschlagen oder ausgebaut, das Dach ist undicht. Zwei Wohnungen sind vermietet, „wir werden mit den Mietern reden“, kündigte Nieberg an. Mit Hilfe der Städtebauförderung soll schon in Kürze eine Perspektive für das Haus erarbeitet werden. Denkbar sei, einen Teil zu vermieten, damit die Grundkosten reinzuholen, und den Rest von der Kommune als Kulturraum oder Kommunikationszentrum zu nutzen. Der Saalanbau müsse wohl abgerissen werden, so Nieberg. Vorstellbar sei auch, das ganze Anwesen an einen solventen Käufer zu veräußern. Die Kommune habe die Möglichkeit, den geeigneten Erwerber auszusuchen. Dass die Gemeinde den Versteigerungstermin wahrgenommen hat, war aus Niebergs Sicht ein Muss. Joachim Gries

Von Joachim Gries