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Eschede Aus für Bestellagentur in Eschede
Celler Land Eschede Aus für Bestellagentur in Eschede
12:10 01.12.2016
Eschede

13 Jahre hatte Hoppenstedt bei Edeka in Höfer gearbeitet, bevor sie im April 1986 von ihrer Schwiegermutter Waltraud in Eschede die Bestellagentur übernahm. Einen gewissen Respekt vor ihrer neuen Tätigkeit habe sie damals schon gehabt, sagt Hoppenstedt rückblickend. Sie erinnert sich noch, als sie das erste große Fernsehgerät zum Preis von 1200 D-Mark bestellte und der Kunde Ratenzahlung vereinbarte. „Hoffentlich geht das gut“, sei damals ihr Gedanke gewesen. Es ging gut, Hoppenstedt fuchste sich in die Abläufe rein und gewann viel Selbstvertrauen.

Nach den ersten fünf Jahren habe ihr einer der Quelle-Kollegen gestanden, dass er ihr den Job für höchstens zwölf Monate zugetraut hätte, erzählt Hoppenstedt. Doch sie hatte viel Spaß an der Arbeit. 1992 erfolgte der Umzug einen Katzensprung weiter an die Bahnhofstraße. Das Versandhaus Quelle war damals auf sie zugekommen und hatte auf die leerstehenden Geschäftsräume hingewiesen. Hier entstand auch eine Sitzecke, hier gab es die Möglichkeit zum Plausch mit den Stammkunden.

Der Kauf von Waren aus dem Quelle-Katalog über die Bestellagentur hatte für die Kunden den Vorteil, dass keine Versandkosten anfielen. Was gut lief, das bestellte Hoppenstedt auf Vorrat und stellte es in den Regalen aus. So hatte sie einen wachsenden Waren-Vorrat, bezahlen musste sie erst nach dem Verkauf. Mit der Provision, die sie erhielt, bestritt sie ihren Lebensunterhalt.

„Bei Quelle war es schön, man war eine Familie und kannte die Kollegen“, sagt Hoppenstedt. Sie nahm an Seminaren in ganz Deutschland teil, lernte dabei unter anderem, wie man Batterien in Armbanduhren austauscht. Im Dorf verteilte sie Kataloge. Als Quelle 2009 Pleite machte, war auch sie überrascht.

Doch die Bestellagentur in Eschede lief weiter. Ob Otto, Westfalia, Klingel, Wenz, Bader und noch einige andere Versandhändler, bei Hoppenstedt waren die Escheder Kunden an der richtigen Bestelladresse. Aber mit dem zunehmenden Internet-Handel sowie dem Aufkommen des kostenfreien Versands sank der Umsatz. „Der Kundenstamm ging auf die Hälfte zurück“, sagt Hoppenstedt. Gerade in den vergangenen fünf Jahren habe sie den Rückgang gemerkt.

Vor allem die Älteren hielten ihr die Treue. „Die sind traurig, dass ich jetzt aufhöre“, sagt die 77-Jährige. Auch ihr fällt es schwer, denn sie liebt diesen Laden. Doch Langeweile wird nicht aufkommen, im Juni stand plötzlich ein Mann im Gechäft und es funkte ...

Von Joachim Gries