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Eschede BMW-Freak aus Eschede zeigt seine Schätze
Celler Land Eschede BMW-Freak aus Eschede zeigt seine Schätze
18:29 17.02.2015
Detlef Fritsche auf seiner BMW R 90 S in "Daytona-Orange". Diese Motorrad hat den typischen BMW-Boxer-Motor. Quelle: Udo Genth
Eschede

Ich bin von diesen alten Dingern fasziniert“. Diese Äußerung von Detlef Fritsche bildet die Grundlage für seine Sammlung von Motorrädern. Mittlerweile sind es 32 Maschinen, die er in einem Gebäude auf seinem Firmengelände im Norden von Eschede aufbewahrt. In der Hauptsache sind es Modelle von BMW bis hin zu den aktuellen Jahrgängen, aber hier stehen ebenfalls Zweiräder von NSU und DKW und Ardie – alles einst klangvolle Namen aus der Zeit des deutschen Wirtschaftswunders. Motorräder von KTM, MV Agusta oder Ducati und Honda vertreten den ausländischen Motorradbau. Etwas aus der Rolle fällt ein Leichtmotorrad der längst als Motorradfabrikant untergegangenen Marke Wanderer mit einem 98-Kubikzentimeter-Motor, das von der Decke hängt.

Außerdem stehen da noch ein Hanomag-Trecker von 1958 und ein Fendt-Geräteträger, Baujahr 1960. „Der Hanomag ist eine Reminiszenz an meinen Vater“, erläutert Detlef Fritsche. Sein Vater habe in den Jahren nach dem Krieg eine Landwirtschaft im Nebenerwerb betrieben. Er war es auch, der in seinem Sohn Detlef die Liebe zu Motorrädern wachgerufen hat. Vater Fritsche kaufte sich eines Tages eine NSU Max. Das war in den 1950er Jahren eine moderne, leistungsstarke Maschine, die von der damals größten Motorradfabrik der Welt NSU im schwäbischen Neckarsulm hergestellt wurde.

Detlef Fritsche ließ es früh angehen. Bereits mit 14 Jahren hatte der 1955 in Eschede Geborene sein erstes motorisiertes Zweirad erworben. Es war eine Zündapp Combinette, die in jener Dekade weit verbreitet war. Damit konnte er zu seiner Lehrstelle als Maurer fahren, die ebenso in Eschede war, sowie später zur Arbeitsstelle. Nach einigen Jahren bildete er sich in Hamburg zum staatlich geprüften Bautechniker weiter, um schließlich 1990 nach dem Studium an der Abendschule seine Meisterprüfung abzulegen.

Da hatte der Motorradenthusiast jedoch schon mehrere Zweiräder besessen, die er sich fast im Zweijahresrhythmus zulegte. Nach einem weiteren Moped, einer Hercules, im Jahre 1971 und dem Erwerb der Motorrad- und Auto-Führerscheine kaufte Fritsche sich 1973 sein erstes „richtiges“ Motorrad: eine 350er Yamaha RD. „Das war ein schönes Rad“, erinnert er sich. Ihr folgte, wiederum zwei Jahre später, mit einer 750er Honda F1 ebenfalls eine Maschine aus dem Land der aufgehenden Sonne. Sie wurde nach einer etwas längeren Pause durch ein Fabrikat aus gleicher Fertigungsstätte abgelöst. Dass er zunächst Motorräder aus Fernost bevorzugte, hatte eine simplen Grund: die von ihm ersehnten gleichstarken Modelle aus dem bayrischen Unternehmen waren damals deutlich teurer.

Erst 1990 war es dann so weit: Mit einer K 100 RS kaufte sich Detlef Fritsche „endlich“ – wie er heute meint – eine BMW. Gern blickt er zurück und lobt ihren „geschmeidigen Motor“. Das war jedoch kein BMW-typischer Boxer. So wird ein Motor genannt, dessen Zylinder sich gegenüber liegen und die Kolben quasi austeilen – eben wie ein echter Boxer die Fäuste zum Gegner schwingt. Ein bekanntes Beispiel dafür bietet der Motor des legendären VW-Käfer. Der Typ K 100 RS mit einem längs eingebauten Reihen-Vierzylinder bedeutete für die Bayern seinerzeit Neuland in der Art des Antriebs.

Nach der ersten BWM kaufte sich Fritsche fünf Jahre später eine K 1100 LT und damit ein neueres, stärkeres Modell aus gleichem Hause. Diese Maschine trug ihn zweimal zum Nordkap und zurück. Gemeinsam mit seinem besten Freund, der leider im Jahr 2011 verstorben ist, besuchte er später auf einer K 1200 LT Spanien und durchfuhr auf dieser Tour die Schweiz, Portugal, Frankreich und Belgien.

An seine erste BMW mit einem Boxer-Motor kam Fritsche 1993. Es war eine BMW R51/3, und er war sofort fasziniert von diesem „klassischen“ Motorrad. 1200 DM kostete sie – ein Schnäppchen. Die Maschine verkörperte die wahre BMW-Tradition und war die Erfüllung eines Traums für jeden Freund der Zweiräder mit dem weiß-blauen Logo.

Vor nunmehr gut zehn Jahren, im Dezember 2003, hat sich Detlef Fritsche mit sechs Freunden und Bekannten zusammengesetzt und den „BMW Boxer-Club“ gegründet. Die Statuten legen fest, dass sich jedes Mitglied als ein „Freund des Boxers“ ausweist. Dieser Passus bedeutet jedoch keineswegs, dass der Besitz einer BMW zwingende Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist. Der Zweck des Clubs, dessen Angehörige an jedem zweiten Freitag im Monat zusammenkommen, sind gemeinsame Ausfahrten, Geselligkeit und natürlich „Benzingespräche“, wie das Fachsimpeln genannt wird.

„Wir starten am 18. April in die neue Saison 2015“, gibt Detlef Fritsche jetzt Auskunft. Die erste Ausfahrt des Jahres führt dann die Clubmitglieder in den „PS-Speicher“ in Einbeck. Dort ist das im Juli 2014 eröffnete Motorrad- und Automobilmuseum untergebracht.

Jeden Mittwoch wird zu einer Ausfahrt gestartet. Dafür wurden vor einiger Zeit Strecken in die vier Himmelsrichtungen erkundet, die jeweils rund 150 Kilometer lang sind. Eine jährliche Ausfahrt ging die vergangenen zehn Jahre traditionsgemäß durch die Dolomiten, in diesem Jahr ist erstmalig eine ähnlich angelegte Fahrt durch die französischen Seealpen geplant. Alle zwei Jahre bildet Mallorca das Ziel einer rund zehntägigen Tour. Ebenfalls in diesem Jahr soll es wie zuvor wieder eine „Herren-Tour“ geben. Die wird so genannt, weil Damen nicht mitgenommen werden. „Wir Männer müssen auch mal unter uns sein“, nennt Fritsche den Grund, und es scheint, als hätten die besseren Hälften dagegen keine Einwände. Letztlich bewegt sich der Boxer-Club ganz sportlich auf Fahrrädern. Nachdem im Vorjahr die Strecke von Cuxhaven nach Magdeburg entlang der Elbe geradelt wurde, ist diesmal Magdeburg der Ausgangspunkt und das Ziel liegt in der reizvollen Sächsischen Schweiz.

Detlef Fritsche hat sich im Jahr 1996 mit einem Bauunternehmen selbständig gemacht. Mittlerweile ist ihm sein Sohn Maico („wie die Motorradmarke“, grinst der Vater) in die Geschäftsführung gefolgt und übernimmt in immer stärkerem Maße die Verantwortung für das Unternehmen. Das freut den Vater, denn dadurch hat er mehr Zeit für seine Hobbys. Die liegen verständlicherweise weitestgehend im Sattel eines Motorrades. Beispielsweise umrundet er etwa fünf bis acht Mal auf speziellen BMW-Rennmaschinen bekannte Rundkurse wie den Ring in Oschersleben oder den im tschechischen Brünn. Zudem ist Detlef Fritsche noch Mitglied des MV Agusta-Club Deutschland und nimmt an dessen Club-Treffen teil.

Völlig anders ist ein weiteres Steckenpferd, das er reitet: der ehemalige aktive Handballspieler ist als nunmehr passives Mitglied und Förderer den beiden Vereinen TuS Eschede und SV Altencelle verbunden. „Ich besuche jedes Heimspiel“, stellt Fritsche fest. Sein Herz schlägt also nicht nur ganz stark für Boxer, sondern hat ebenfalls Platz für andere sportliche Betätigungen.

Von Udo Genth