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Eschede Biobauer aus Endeholz: "Man muss nicht spritzen, um die Qualität zu erhalten"
Celler Land Eschede Biobauer aus Endeholz: "Man muss nicht spritzen, um die Qualität zu erhalten"
17:31 21.07.2017
Von Christoph Zimmer
Endeholz

Ökolandbau ist für Marwede mehr, als das Feld sich selbst zu überlassen. "Da gehört sehr viel Zeit und Pflege dazu", sagt der Landwirt. Mit Maschinen wie der Fingerrollhacke, der Maishacke und dem Striegel entfernt er regelmäßig Unkräuter wie die Quecke auf den Feldern. "Diese drei Maschinen sind sehr effizient und reißen einen Großteil der Unkräuter aus beziehungsweise überdecken diese mit Erde, ohne die Hauptkulturen sonderlich zu beschädigen." Die einzelnen Striegel etwa passen sich dank der elastischen Federn optimal dem Boden an.

Ulrich Marwede hatte den Betrieb in Endeholz bereits 1989 auf Ökolandbau umgestellt. Nach der erfolgreichen landwirtschaftlichen Ausbildung gründete Carsten Marwede mit seinem Vater dann 2012 eine GbR. Gemeinsam bauen sie auf 115 Hektar neben Kartoffeln, Mais und Saatgut auch Futtergetreide für Schweine an.

In diesem Jahr muss Marwede bei den Kartoffeln gegen die Kraut- und Knollenfäule ein Kupferpräparat einsetzen, um seine Ernte zu schützen. Und der Roggen, dessen naturbelassene Pflanzen länger sind und weniger Korn haben als in der konventionellen Landwirtschaft, neigt sich wegen des Gewichts leicht zur Seite. Deshalb gelangt mehr Licht an den Boden und Unkraut wächst durch, weshalb die Qualität des Getreides gemindert wird.

Zwar sei die Erntemenge nicht so hoch wie in der konventionellen Landwirtschaft. "Gegenüber der konventionellen Landwirtschaft ist der Ertrag um bis zu 50 Prozent geringer", sagt er. Für die Produkte aus beiden Anbauformen gelten jedoch "die gleichen harten Qualitätsanforderungen". Angesichts der geringeren Ernteerträge gegenüber der konventionellen Landwirtschaft betont Marwede, dass die Menge der Produkte allein aus dem Ökolandbau langfristig nicht ausreichen werden, um die stetig wachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Das liegt laut Marwede auch daran, dass sie Dünger nicht so häufig und nicht so gezielt einsetzen dürfen wie in der konventionellen Landwirtschaft und auch nicht spritzen. Außerdem sei der Markt auch nicht so groß, sagt er. Laut einer Studie werden in Deutschland im Jahr 2050 rund 60 Prozent mehr Lebensmittel benötigt als bisher.

Steffen Timme und aus Widdershausen und Jan Hendrik Hohls aus Becklingen hatten zuletzt für mehr Verständnis in der Öffentlichkeit für den Einsatz von Pflanzenschutz in der Landwirtschaft geworben und eine sachliche Debatte darüber gefordert. "Man muss spritzen, sonst kann man die Qualität nicht erhalten", sagte Landwirt Timme. Die entsprechenden Pflanzenschutzmittel seien gut erforscht und die Landwirte für den Einsatz der Produkte gut ausgebildet.

"Wir können uns nicht vor denen schützen, die Grabenkanten tot spritzen, aber diejenigen, die es vernünftig machen, betreiben wissenschaftlich erforschte Landwirtschaft", sagte Hohls. Laut der Initiative "Die Pflanzenschützer", in der sich die beiden Landwirte engagieren, würden Unkräuter den Nutzpflanzen die Nährstoffe, Wasser und Licht rauben – und nur mit Spritzen zu bekämpfen seien. Außerdem reichten die Produkte aus dem Ökolandbau nicht aus, um die Weltbevölkerung zu ernähren. (chz)