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Eschede Biogas-Diskussion im Landkreis: Bauern wehren sich gegen Vorwürfe
Celler Land Eschede Biogas-Diskussion im Landkreis: Bauern wehren sich gegen Vorwürfe
18:32 18.11.2010
Dieter Hübner, Jürgen Mente und Hendrik Niemann (von links) zeigen die Untersaat für Energiemais. Quelle: Tore Harmening
Kragen

Im grauen Novemberwetter liegt der Acker von Hendrik Niemann bei Kragen. Hier hatte der 39-Jährige Landwirt dieses Jahr Energiemais für die Biogasanlage gepflanzt, die er zusammen mit einem Landwirt aus Scharnhorst betreibt. Doch wo früher nur noch die kahlen Stoppel standen, wächst jetzt zusätzlich ein grüner Teppich aus Gras.

„Das ist eine so genannte Untersaat“, erläutert Dieter Hübner, Anbauberater der Deutschen Saatveredelung AG aus Steinhorst. Mit diesem Gras wird verhindert, dass aus der kahlen Fläche Nährstoffe ausgewaschen werden“, sagt Hübner. So wird verhindert, dass der Boden kaputt geht.

Monokultur mit zerstörten Äckern und immer mehr Energiemais. In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich die Landwirte, die in Biogas-Anlagen, investiert haben, einiges anhören müssen. „Ich wurde schon öfter angesprochen“, sagt Hendrik Niemann. Er wehrt sich aber gegen den Vorwurf, dass er mit dafür verantwortlich sei, die Umwelt kaputt zu machen. „Die Landwirte sind selbst daran interessiert, nachhaltig zu wirtschaften. Alle andere wäre auch gar nicht im wirtschaftlichen Interesse“, sagt er. So würde beim Energiemais auch wesentlich weniger an Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt.

Ihn verwundert es auch, dass die Bauern plötzlich die Buhmänner seien sollen. „Energie verbrauchen wir alle und möchten auch von unserem Lebensstandard keine Abstriche machen, aber irgendwoher muss der Strom ja auch kommen. Und aus den Atommeilern wird ist das teurer, wenn man alle Kosten mit einrechnet“, sagt Niemann. Als die Anreize für den Bau von Biogas-Anlagen durch das Energie-Einspeisegesetz erhöht wurden und gleichzeitig der Markt für Getreideprodukte daniederlag, hat er sich mit seinem Partner entschieden, in Biogas zu investieren.

Der Vorteil waren kontinuierlichere Einnahmen über die Jahre. Während ein Hektar Weizen seit 2005 zwischen 500 und 1200 Euro Erlös brachte, lag er für Energiemais konstant bei über 1000 Euro. Die Investition in Biogas rettet laut dem Landvolk Celle vielen Bauern die Existenz, denn 2005 konnte ein Hof von seinen Felderträgen alleine kaum leben.

„Inzwischen haben sich die Preise für Getreide und Kartoffeln wieder erholt, so dass der Anbau sich wieder lohnt“, sagt Jürgen Mente, Vorsitzender des Kreislandvolkes. Gleichzeitig erwartet er, dass die Politik demnächst die Anreize für Biogas absenken wird, um den Ausbau zu drosseln.

Doch nicht nur dadurch hofft das Landvolk den Flächenverbrauch für Maisanbau zunächst zu Stillstand zu bringen und dann vielleicht sogar rückläufig zu gestalten. Sie setzen auf neue Pflanzen aus der heimischen Region, die das Futter für die Anlagen liefern kann. „Es gibt inzwischen Alternativen, die über den Erprobungszustand hinaus sind“, sagt Anbauberater Hübner. Das Gras, das als Unterbau verwendet wird, kann als Ergänzung in die Biogas-Anlagen gegeben werden. Zusätzlich gibt es inzwischen die Möglichkeit Getreide zusammen mit Wicken anzupflanzen und diese in einem frühen Reifegrad zu ernten. „Auf Böden, die nicht gut mit Wasser versorgt sind oder versorgt werden können, liegen die Erträge mit dieser Variante höher oder gleichwertig“, sagt Hübner. Außerdem gibt es inzwischen Anlagen, die mit Zuckerrüben arbeiten. Dazu gründet sich laut Mente demnächst sogar eine Vertriebsgesellschaft in Uelzen, um die Nachfrage der Biogasbetreiber zu befriedigen.

Von Tore Harmening