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Eschede Bürger befürworten Fusion
Celler Land Eschede Bürger befürworten Fusion
17:45 13.03.2012
Einwohnerversammlung Eschede mit den B¸rgermeistern der Gemeinden Quelle: Peter M¸ller
Eschede

Zu wenig Gewerbesteuer, zu hohe Verschuldung, zu wenig Einwohner, zu hohe Kosten. Günter Berg ließ Fakten für sich sprechen, die Bürger Eschedes hörten zu. Aus gut 120 regungslosen Gesichtern sahen sie am Montag die Präsentation des Bürgermeisters der Samtgemeinde Eschede. Berg hatte ein klares Ziel: Bürger und Politik auf den Zusammenschluss der Gemeinden Eschede, Habighorst, Höfer und Scharnhorst einzuschwören. Am Ende des Abends ließ er abstimmen. Zwei Hände hoben sich gegen die Fusion, in der Riege der Höferaner zeigten sich einige Enthaltungen. Der Rest stimmte zu. „Klare Ansage“, sagt Berg am Morgen danach.

Erhard Bergmann sprach für die niedersächsische Regierungsvertretung Lüneburg. In der Umstrukturierung liegen Synergieeffekte, argumentierte Bergmann. Wo früher fünf Haushalte aufgestellt wurden, ist künftig nur noch einer. Es tagen weniger Räte. Und werden 75% der Kassenkredite erlassen – 6,8 Millionen Euro – muss die neue Gemeinde deutlich weniger Zinsen zahlen. Die Differenz ist übrigens sechsstellig. Die Schulden wachsen dann langsamer.

Auch aus Sicht der Verwaltung gilt der Zusammenschluss zu größeren Einheiten als sinnvoll. „Größere Einheiten können mehr Fachkräfte vorhalten“, sagt Verwaltungsvize Wilfried Nieberg. Die Verwaltungen größerer Gemeinden sind leistungsfähiger.

Die Bürger wollten wissen, woran sie sind: „Ich werde hier alt werden“, sagte die Eschederin Delia Schwarzlos, „ich will wissen, was ich erwarten kann und muss.“

Das jährliche Haushaltsdefizit muss um die Hälfte verringert werden. Zur Zinsersparnis kommt reduziertes Krippenpersonal, außerdem die Steuererhöhung. Marc Dornbusch, stellvertretender Bürgermeister in Habighorst und bislang Gegner der Steuererhöhung, signalisierte Zustimmung zum Vertrag: „Zähneknirschend. Aber es wird schwer den Leuten beizubringen, warum wir das ausschlagen sollten.“

Gerd Bakeberg, Bürgermeister Eschedes forderte Zugeständnisse vom Landkreis; Marcus Carteuser, Leiter des Landratsbüros, blieb jedoch wage. Eine Sonderbehandlung Eschedes schloss er aus. Wohl aber werde sich Landrat Klaus Wiswe im Kreistag für Belange Eschedes einsetzen.

„Scharnhorst hat kein Problem“, sagte Bürgermeister Otto Brandes. „Wir bleiben Scharnhorster.“ Dabei ist Scharnhorst die Gemeinde mit der größten Veränderung: In Eschede, Habighorst und Höfer wird es künftig Ortsräte geben. Scharnhorst bekommt einen Ortsvorsteher, ebenso Endeholz, Marwede und Dalle. Die Ortsnamen bleiben gleich, ebenso Telefon-Vorwahlen und Adressen. Anlaufstelle ist und bleibt das Rathaus in Eschede.

Auch das „Schreckgespenst Zwangsfusion“, wie sich Michael Cruse, Bürgermeister in Höfer, ausdrückte, kam zur Sprache. Eine Fusion ohne Zustimmung Höfers wird es nicht geben, schätzt Thomas Adasch, CDU-Abgeordneter im Landtag. Grund: Ohne Entschuldungshilfevertrag zwischen den Gemeinden und dem Innenministerium werde der Landtag sich gar nicht mit der Gebietsänderung befassen.

Der Zusammenschluss ist ein erster Schritt. Ziel der Landesregierung ist die Fusion mit einer Nachbarkommune, Celle kam zur Sprache und auch Lachendorf. Bergmann sagte, dass auch eine „Großverwaltung“ für den ganzen Norden und Osten denkbar sei.

Und die Höferaner? Die sind nicht überzeugt. Michael Teske (SPD) beklagte, dass in den Verträgen klare Regelungen fehlen, zum Beispiel für das Schwimmbad. „Die Bedenken sind nicht ausgeräumt. Da kommt nichts Gutes bei raus.“

„Ich bin nicht hier, um Dinge zu beschönigen“, sagte Berg. Schon der Verlust des Schulstandortes sei eine weitere Zentralisierung in Lachendorf. "Wir haben nur eine Chance, wenn wir uns dem stellen.“

Von Isabell Prophet