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Eschede Christian Rudolph will nur Danke sagen
Celler Land Eschede Christian Rudolph will nur Danke sagen
23:43 05.04.2013
Christian - Rudolph Quelle: Joachim Gries
Aschenberg

Dass es dem 1,98 Meter großen Mann nicht gut geht, ist auf den ersten Blick zu erkennen. Aber heute wird in Höfer Geburtstag gefeiert, Rudolph hat dazu über 20 Menschen eingeladen, die ihm sein Leben erträglich machen. Am Dienstag ist er 38 Jahre alt geworden.

Eingeladen hat Rudolph auch Vertreter seiner Krankenkasse, der AOK Niedersachsen. Holger Wallasch vom Servicezentrum aus Celle hat sein Kommen zugesagt. Es werde immer auf die Krankenkassen geschimpft, sagt Rudolph, doch für ihn hätten die Mitarbeiter Frank Beber und Frank Rödel das Bestmögliche herausgeholt. Das ist kein Leben in Saus und Braus, sondern am Rollator, im Rollstuhl oder im Krankenbett.

Rudolph wurde in Faßberg geboren, er wuchs in Lachendorf auf und machte eine Tischlerlehre. Im Juni 2006 brach er mit einem Freund im Auto nach Südafrika auf. Am Kap der guten Hoffnung wollten sie ihr Glück versuchen, im Senegal wurden sie überfallen. Sie kehrten um.

Schon lange litt Rudolph an Psoriasis, an Schuppenflechte. Sie verschwand immer wieder. „Im Sommer tat das Licht gut“, sagt er. Doch Anfang 2010 setzte die Psoriasis Rudolph extrem zu, vor allem im Gesicht und an den Beinen. Sein Hausarzt beantragte eine Kur, bei dem Aufenthalt in Bad Bentheim mit Sole- und Salzbädern lief etwas schief: Durch die UV-Bestrahlung erlitt Rudolph Verbrennungen, die mit Salben behandelt werden mussten. „Ich mache niemandem einen Vorwurf“, sagt der 38-Jährige.

2011 spitzte sich die Psoriasis extrem zu, die Knochen entzündeten sich. „Das ist wie Rheuma und Arthrose“, beschreibt Rudolph seine Empfindung. Seither bekommt er wöchentlich beim Hausarzt eine Methotrexat-Spritze. Sie geht mit Übelkeit einher. „Ich habe immer weiter abgebaut“, sagt er. Dazu kommt eine mehrfache Beinthrombose, die ihn zum Marcumar-Patienten, zum künstlichen Bluter, machte. „Nervlich bin ich nicht mehr auf der Höhe und ich vergesse viel“, sagt der 38-Jährige. Er ist nur noch in Begleitung unterwegs.

Im November 2012 hatte Rudolph ein Gespräch bei der Krankenkasse, zwei Tage später besuchte ihn der Medizinische Dienst der Krankenversicherung zu Hause. Er stellte erhebliche Pflegebedürftigkeit fest, die Pflegestufe 1 rechtfertigt. Die Pflege haben seine Nachbarn Jessica Behnen und Peer Thiele übernommen, die ihm beim Aufstehen aus dem Bett helfen, wenn er unter morgendlicher Steife leidet, beim Ankleiden helfen, ihn bei Besorgungen oder zum Arzt begleiten.

Schon Ende 2007 hatte Rudolph einen Schwerbehindertenantrag gestellt. Im März 2009 wurde eine 80-prozentige Behinderung anerkannt, im August 2011 wurde sein Schwerbehinderten-Ausweis unbefristet verlängert. „Ich bin ausgesteuert und nicht mehr erwerbstätig“, sagt er. Und erläutert, dass man von 633 Euro Erwerbsunfähigkeitsrente eigentlich nicht leben könnte. Nach Abzug von Miete und Stromkosten sowie Versicherungsbeiträgen bleiben ihm im Monat 100 bis 180 Euro zum Leben. Davon stottert er auch noch Verbindlichkeiten ab.

Heute bei seiner Geburtstagsfeier gehe es nicht um ihn. „Es geht um die Leute, die sich um mich gekümmert haben“, sagt Rudolph. Neben seinen Nachbarn und den Vertretern der AOK ist das auch Christoph Moritz aus Krelingen, der sein Auto bezahlte oder hin und wieder seinen Kühlschrank auffüllt, und Karin von Zitzewitz aus Nienhagen, die ihm beratend zur Seite steht.

Von Joachim Gries