Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Eschede Das Fremde ist ähnlich
Celler Land Eschede Das Fremde ist ähnlich
17:13 05.12.2011
Thando Walbaum (links) und und Matthias Horndasch bei ihrem Auftritt in Eschede. Quelle: Joachim Gries
Eschede

„Was wollten Sie uns eigentlich damit sagen“, diese Frage eines Schülers nach dem Auftritt vor den 9. und 10. Klasse der Haupt- und Realschule Eschede irritierte den Pianisten, Autor und Moderator Matthias Horndasch nur einen Moment, dann setzte er zur Erklärung an. Zusammen mit Thando Walbaum habe er zeigen wollen, wie ähnlich sich doch trotz aller Unterschiede die Kulturen seien. Eine knallharte Botschaft habe ihr Kulturprogramm nicht.

Die Märchen aus Deutschland und Afrika, verbunden mit Musik vom schwarzen Kontinent wie aus der Feder von Horndasch hatten die Schüler aufmerksam verfolgt. Und gespürt, dass Natiki aus Afrika dem deutschen Aschenputtel entspricht. Er habe die Märchen anfangs auch nicht verstehen können, die Südafrikas erster schwarzer Präsident Nelson Mandela für ein Buch zusammengestellt hatte, erzählte Hordasch. Bis ihm dann die Parallelen auffielen.

Seit zehn Jahren präsentiert Horndasch die monatliche Talkshow „Weiße Runde – Prominente im Talk für Toleranz“. Jeweils 60 Minuten lang geht es im Gespräch mit Prominenten und Jugendlichen um Demokratie, Gewalt- und Extremismusprävention und gegen Diskriminierung und Rassismus. Vor anderthalb Jahren war Walbaum sein Gesprächspartner.

Der 26-jährige Walbaum ist seit 2005 bekannt, als er im Film „Neger, Neger, Schornsteinfeger“ neben Veronica Ferres die Hauptrolle des Hans-Jürgen Massaquoi spielte, der als Schwarzer im Dritten Reich aufwuchs. Er hat selber einen afrikanischen Vater und erlebte bei den Dreharbeiten in Wittenberge einen Übergriff auf einen achtjährigen dunkelhäutigen Jungen mit, der im Film Massaquois Rolle als Kind spielte. „Man darf nicht generalisieren“, sagt Walbaum. Natürlich gäbe es in der Schauspielerei noch immer das Klischee „Schwarzer“. spiele. Als er ein neues Management suchte, kam zur Sprache, dass seine Hautfarbe ein Problem sein könnte.

Horndasch sagte als Antwort auf eine Schülerfrage, dass Springerstiefel aus einem Menschen nicht automatisch einen Nazi machten. Es müsse aber aufpassen, weil man sonst Gefahr laufe, in falsches Fahrwasser zu geraten.

Die Veranstaltung war vom Niedersächsischen Landesinstitut für schulische Qualitätsentwicklung finanziert worden, die Schule musste lediglich die Gema-Gebühren übernehmen.

Von Joachim Gries