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Eschede Das Glatteis meldet sich aus Weyhausen
Celler Land Eschede Das Glatteis meldet sich aus Weyhausen
15:42 19.11.2010
Unscheinbare Kästen am Fahrbahnrand und ein Sensor auf der Straße gehören zum neuen Straßeninformationssystem. Quelle: Joachim Gries
Weyhausen

Als die Bauarbeiter anrückten, direkt neben der Fahrbahn der Bundesstaße 191 ein Stück Pflaster verlegten, Schaltschränke aufbauten und dann auch noch einen Mast errichteten, da kam der Nachbar und fragte, ob ein neuer Blitzer aufgebaut wird. Und erfuhr, dass es hier nicht um Raser geht, die Tempo 70 missachten, sondern dass die neue Anlage vollautomatisch das aktuelle Wetter und den Straßenzustand erkundet.

Das Straßen-Wetter-Informations-System (Swis) hat damit auch den Landkreis Celle erreicht. 180 Stationen werden in Kürze landesweit arbeiten, davon etwa drei Viertel an den Bundesautobahnen, der Rest an neuralgischen Punkten an Bundesstraßen. Und Weyhausen ist so ein Punkt. Warum, weiß Mathias Schmädecke, Leiter der Autobahnfernmeldemeisterei Hannover, die für Swis im Land verantwortlich zeichnet.

Seit 1995 wird an dem System gearbeitet, die ersten 90 Wetterstationen wurden in Niedersachsen zwischen 1997 und 2000 an den Autobahnen aufgebaut, jetzt folgen weitere 90 Stationen. Sie wurden in den vergangenen Wochen dort eingerichtet, wo sich erfahrungsgemäß besonders früh kühle Temperaturen und damit Glätte auf den Straßen einstellt. Das in auch in Weyhausen der Fall.

Und sie wurden dort gebaut, wo sie sich mit vertretbarem finanziellen Aufwand verwirklichen ließen: Nicht überall gibt es einen Stromanschluss, dann müssen nach Schmädeckes Angaben Photovoltaik oder Brennstoffzellen eingebaut werden. Und die Kommunikation muss klappen, eine Anbindung an das Fest- oder das Mobilfunknetz ist notwendig, denn die Daten müssen zum Server in Hannover gelangen. Rund 30000 Euro kostet jede Station durchschnittlich. Der Rest der drei Millionen, die der Bund jetzt erneut für das System zur Verfügung stellt, fließt nach Schmädeckes Angaben in die Rechnertechnologie bei der Straßenbauverwaltung in Hannover.

Die Anlage in Weyhausen erfasst mit Sensoren im Mast Lufttemperatur, relative Luftfeuchtigkeit, dazu Niederschlagsart und -intensität. Ein weiterer Sensor in der Fahrbahn misst die Temperatur an der Oberfläche und in 30 Zentimetern Tiefe, dazu den Zustand der Fahrbahnoberfläche, die mögliche Stärke eines Wasserfilms und mögliches Restsalz. Errechnet werden daraus der Taupunkt und die Zeitreserve bis zur Eisbildung. Damit ist die Zeitspanne bis zur Bildung von Reif- oder Eisglätte bekannt.

Auf die in Hannover zusammenlaufenden Daten aller künftig 180 Stationen, die bis Ende des Monats laufen sollen, hat der Deutsche Wetterdienst Zugriff. Er kann damit seine lokalen Wetterprognosen verfeinern und den Behörden detaillierte Straßenwetterberichte liefern. „Und wir wollen unseren Straßenmeistereien Hilfe an die Hand geben“, sagt Schmädecke. Denn die Straßenmeister können mit ihrem Computer auf die Daten aus ihrem Bereich auf dem Server in Hannover zugreifen und danach die Einsätze ihrer Salzstreuer bei Glatteis präziser steuern. Im Autofahrerjargon heißen die aufwändigen Installationen an den Straßen nach Schmädeckes Angaben ohnehin nur Glättemessstation.

Von Joachim Gries