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Eschede Demenz-Wohngemeinschaft in Eschede geplant
Celler Land Eschede Demenz-Wohngemeinschaft in Eschede geplant
17:50 28.02.2014
Von Carsten Richter
Noch steht der Name des Eigentümers über der Tür: Wo bis 2009 ein Malerbetrieb war, sollen bald Menschen mit Demenz wohnen können. Quelle: Carsten Richter
Eschede

Die Idee ist bislang einzigartig im Landkreis Celle: Renate und Friedrich Kage aus Eschede planen in ihrem Ort das Angebot einer ambulant betreuten Wohngemeinschaft für an Demenz erkrankte Menschen. Das Haus in der Albert-König-Straße gehört Friedrich Kage, bis 2009 hatte der Malermeister dort seinen Betrieb. Nun soll es für das soziale Projekt genutzt werden. Den Bauantrag haben sie bereits gestellt.

Das Besondere: Alles soll selbstbestimmt laufen, die etwa zehn Mieter beziehungsweise ihre Angehörigen suchen sich ihren Pflegedienst, der rund um die Uhr für sie da ist, selbst aus. "Da müssen sich die Bewohner einig werden, wir wollen nicht in die Pflege eingreifen", betont Renate Kage. Sie und ihr Mann wollen sich lediglich um den Umbau des Hauses kümmern. Welche Möbel sie mitbringen, wie ihr Tagesablauf aussieht, was es zu essen gibt – alles wird den Bewohnern überlassen, die Mieter entscheiden über alle Belange selbst. Damit soll ihre Eigenständigkeit hervorgehoben werden, wünscht sich das Paar.

Der zur Verfügung stehende Wohnraum im Erdgeschoss liegt in der Ortsmitte von Eschede, hat einen Umfang von 360 Quadratmetern und verfügt über eine Terrasse mit einem kleinen Garten. "Das Konzept hat Zukunft", ist sich Regina Knoop von der Privaten Pflegeberatung Compass sicher. In der WG könnten sich weniger schwer Erkrankte um die Mitbewohner kümmern, die auf Hilfe angewiesen sind. "Der Bedarf und der Wunsch nach selbstbestimmtem Leben im Alter ist da", meint Knoop.

Im aktuellen Pflegereport der Barmer GEK wird der Zuwachs an Pflegefällen in den kommenden Jahren bestätigt. Für ganz Deutschland ist laut dem Bericht von einer Zunahme um 47 Prozent bis zum Jahr 2030 auszugehen. Im Kreis Celle wird es bis dahin 9000 Betroffene geben – ein Anstieg um 42,5 Prozent. "Aufgrund der höheren Lebenserwartung wird auch die Zahl der Demenzerkrankungen jährlich zunehmen", sagt Frank Bollmann, Bezirksgeschäftsführer der Barmer GEK in Celle. Bis 2050 werde sich die Zahl der Erkrankten bundesweit mehr als verdoppeln, auf schätzungsweise drei Millionen. In früheren Jahren hingegen sei die Krankheit oft gar nicht erst zum Ausbruch gekommen.

"Angesichts der Entwicklung müssen wir immer neue Wege gehen", sagt Eva Küpers, Gründerin der Celler Demenzinitiative. Sie lobt den mutigen Schritt von Familie Kage, das Konzept sei sehr stichhaltig. Dadurch könnte erreicht werden, dass die Menschen zufriedener wohnen. Wichtig sei, dass die Bewohner noch bereit sind selbstbestimmt zu leben, sagt Wolfram Beins, Leiter der Psychosozialen Beratungsstelle in Celle.

Interessenten der Demenz-WG können sich bei Friedrich und Renate Kage unter ☏ (05142) 987288 oder friedrich.kage@t-online.de melden.

Carsten Richter