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Eschede Demonstration gegen rechte Brauchtumsfeier in Eschede
Celler Land Eschede Demonstration gegen rechte Brauchtumsfeier in Eschede
12:07 22.09.2017
Von Audrey-Lynn Struck
Vergangenes Jahr waren bei der Demonstration gegen das Erntefest auf dem Hof Nahtz rund 80 Teilnehmer. Die Veranstaltung wurde von der Polizei begleitet und lief friedlich ab. Quelle: Peter Müller
Eschede

„Es ist ein offenes Geheimnis, dass auf dem Treffen nationalsozialistisches Gedankengut verbreitet wird“, sagt Dirk Garvels, zuständiger DGB-Regierungssekretär. Es werde Gedankengut und die völkische Idee eines starken Volkes zelebriert, das sei erschreckend. Vor allem die Tatsache, dass unter den eingeladenen Gästen viele Familien mit kleinen Kindern anwesend sind, bereitet dem 44-jährigen Garvels Sorge. „Solche Veranstaltungen stellen weiterhin eine Gefahr für das Kindeswohl dar“, so Garvels.

Die Kinder würden früh nationalsozialistisch von ihrer Familie geprägt und würden die Meinung der Eltern nach außen tragen. Damit würden sie zum Beispiel auch andere Mitschüler in ihrer Schulklasse irritieren. Der DGB hat bereits eine Antrag an den Landtag gestellt, diesen Fall genauer zu untersuchen. Zwar teile man dort die Befürchtungen einer Gefährdung des Kindeswohls, doch bisher reiche die Beweislage noch nicht aus.

Nahtz Ehefrau Ilse-Renate sieht die Sachlage hingegen anders. Zwar kämen viele Kinder mit ihren Familien zum Erntefest, würden aber vor Ort Fußball spielen oder mit dem Fahrrad fahren. „Sie werden nicht rechtsradikal gefördert. Bei unserer Feier geht es lediglich um die tolle Gemeinschaft, es wird gegrillt, Kuchen gegessen und Lieder gesungen“, sagt die 74-Jährige. Als vor etwa vier Jahren ihr Hof abbrannte, hätten sie viele Parteifreunde beim Wiederaufbau unterstützt und sogar Spenden gesammelt.

Bei den zwei vergangenen Veranstaltungen blieben allerdings nicht alle Gäste auf dem Hof Nahtz zum Feiern. „Nazi-Kader mit jungen Nationalisten patrouillierten die Straße entlang“, schildert Garvels. Die jungen Männer seien sehr konfrontativ vorgegangen und hätten die Demonstranten versucht, mit aggressivem Verhalten einzuschüchtern. „Da waren auf jeden Fall gewisse Spannungen zu spüren“, sagt der DGB-Regierungssekretär. Diesen Eindruck scheint auch die Polizei Celle gehabt zu haben. Auch bei der Demonstration gegen das Erntefest werde sie in „ausreichender Stärke“ zugegen sein, teilte der Celler Polizeisprecher Peter Großmann mit.

Wie viele Gäste die Familie Nahtz empfängt, bleibt abzuwarten. Garvels rechnet auf Seiten der Demonstranten mit etwa 50 bis 70 Personen. „Vielleicht kommen ja aber auch mehr, wegen der derzeitigen politischen Stimmungslage. Um ein Zeichen zu setzen“, sagt der DGB-Regierungssekretär. Er wünsche sich, dass auch noch mehr Bürger aus Eschede mit demonstrieren.