Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Eschede Deponie Höfer will expandieren
Celler Land Eschede Deponie Höfer will expandieren
17:29 18.03.2015
Auf 20 Meter Höhe ist der erste Polder auf der Mülldeponie Höfer angewachsen. Er bietet nur noch wenig Platz für Abfälle. Quelle: Benjamin Westhoff
Höfer

HÖFER. "Es geht um Dreck", sagte Gernot Busch und nannte als Stichwort Dioxin. Der Höferaner hatte nach der jüngsten Sitzung des Rates der Gemeinde Eschede die geplante Erweiterung der Mülldeponie bei Höfer angesprochen und darauf hingewiesen, dass bei der Einlagerung mineralischer Abfälle auch mit Schadstoffbelastungen zu rechnen sei.

Tobias Woeste vom Zweckverband Abfallwirtschaft Celle schließt nicht aus, dass auch Boden mit Dioxin auf der Deponie bei Aschenberg landen wird, was bisher aber noch nicht vorgekommen sei. Hier können mineralische Abfälle der Deponieklasse 1 angenommen werden, der Grenzwert für Dioxin liegt in dieser Kategorie bei 5000 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm Boden. "Das ist wie ein Stück Würfelzucker im Schwimmbecken des Schwimmbades Höfer", sagt der stellvertretende Chef des Zweckverbands mit Blick auf die niedrige Konzentration. Er stellt klar, dass in Höfer keine radioaktiven Abfälle, kein Asbest und keine Tierkadaver angenommen werden. Bereits seit 2009 landen Abfälle der Deponieklasse 1 in Höfer, daran soll sich nichts ändern.

Ende Dezember hat der Zweckverband beim Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg den Antrag auf Plangenehmigung zur Erweiterung der Deponie gestellt. Beteiligt sind am Verfahren auch der Landkreis Celle und die Gemeinde Eschede. Eigentlich sei das nicht notwendig, denn die Anlage sei planfestgestellt, sagt Woeste. Da sich die technischen Möglichkeiten seit der Inbetriebnahme 1992 geändert hätten, sollen die Behörden aber mitreden. Gibt es Einwände, müssen sie nach Woestes Worten vom Gewerbeaufsichtsamt abgewogen werden.

Am 13. Februar hatten sich Escheder Kommunalpolitiker auf der Deponie einen Überblick verschafft, denn vom etwa 20 Meter hohen “Gipfel” des Polders 1 schauten sie auf die Erweiterungsfläche. In vier Bauabschnitten sollen die Polder 3 und 2 für die Deponierung von Bauschutt oder Erdaushub vorbereitet werden. Der jetzt beantragte Bauabschnitt 3.1 umfasst eine Grundfläche von 2,8 Hektar und soll 400.000 Kubikmeter aufnehmen. Das Volumen soll in sieben bis zehn Jahren erschöpft sein. Dann ginge es mit den Abschnitten 3.2, 3.3 und 2 weiter, sie sollen weitere 23 bis 25 Jahren aufnahmefähig sein.

30.000 Tonnen müssten pro Jahr kommen, “sonst haben wir mit Zitronen gehandelt”, sagt Woeste. Alles darüber hinaus kommt den Abfallgebühren zu Gute. Maximal 100.000 Tonnen sollen pro Jahr angenommen werden, um Entsorgungssicherheit für Generationen zu haben. Bis zu 10.000 Tonnen fallen pro Jahr im Landkreis Celle an, das Gros der Anlieferungen wird also aus den Nachbarlandkreisen kommen.

Derzeit hat die Deponie noch eine Kapazität von 20.000 bis 25.000 Tonnen, das muss bis Ende 2015 reichen. Wenn die Baugenehmigung vorliegt, beginnt der Bau der Basisdichtung. Dazu werden zuerst etwa 60.000 Kubikmeter Sand eingebaut, darauf eine einen Meter dicke Tonschicht. Eine 2,5 Millimeter dicke Kunststoffdichtungsbahn, darauf ein Trennvlies und eine Entwässerungsschicht aus 14.000 Kubikmetern grobem Kies sollen Sickerwässer vom Grundwasser fernhalten. Auf einer Sandlage sollen dann die Abfälle eingebaut werden.

Jeder Lieferant muss seine Stoffe vor der Anlieferung auf Schadstoffe untersuchen. Zudem zieht der Zweckverband je nach Abfallart im Mittel alle rund 500 Tonnen eine Gegenprobe. “Bevor nicht die Untersuchungsergebnisse nach etwa drei bis fünf Tagen vorliegen, wird das Material nicht eingebaut”, versichert Woeste.

Angeliefert werden soll per Lastwagen auf der Straße. Bei 50.000 Jahrestonnen entspricht das nach Woestes Angaben acht Fuhren pro Tag. Das sei genau die Zahl der Fahrten, die bis 2014 zur Abfuhr der Gelben Säcke von der Deponie Höfer anfiel.

Von Joachim Gries