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Eschede Digitalstratege aus Höfer: "Ich laufe immer so rum"
Celler Land Eschede Digitalstratege aus Höfer: "Ich laufe immer so rum"
22:37 23.08.2018
Schon jetzt ein legendärer Auftritt: Ijad Madisch (rechts) im Kanzleramt. Quelle: Kugler, Steffen
Höfer

HÖFER. Sein Auftritt bei Kanzlerin Angela Merkel hat bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Ijad Madisch aus Höfer hat mit seinem lockeren Outfit viele Leute zum Lachen gebracht – vor allem, weil er sich beim Gruppenfoto mit Kanzlerin und Ministern auch noch selbstbewusst in die erste Reihe stellte. Dabei war es für ihn völlig klar, dass er mit T-Shirt, kurzer Hose, Sneakern und Superman-Cap ins Kanzleramt auftaucht. "Ich laufe immer so rum, vor allem wenn es 30 Grad sind. Ich bin da pragmatisch", sagte Ijad Madisch gestern der CZ. Er hatte etliche Medienanfragen zu seinem Auftritt. Die meisten lehnte der 37-Jährige ab. Bei der CZ machte er eine Ausnahme, "weil ich heimatverbunden bin".

In seiner Firma könnten die Mitarbeiter anziehen, was sie wollten, sagt der Unternehmensgründer. "Ich finde Anzüge ungemütlich. Häufig trage ich Jogginganzüge. Wäre es an dem Tag etwas kühler gewesen, dann wäre ich mit Jogginganzug zur Kanzlerin gekommen." Er sei noch nie ein Fan von Dresscodes gewesen, stellt er klar: "Jeder soll tragen, was er tragen will."

Am Mittwoch traf sich der neue Digitalrat, der die Bundesregierung in Sachen Digitalisierung berät, im Kanzleramt zu seiner ersten Sitzung. Mehrere Minister waren dabei – unter ihnen Olaf Scholz, Peter Altmaier und Dorothee Bär. Ijad Madisch ist für das Thema "digitale Gründungen" zuständig. "Dabei geht es nicht nur um Internet-Start-ups. Jede Art von Unternehmensgründung muss digital gedacht werden", sagt er.

Madisch wurde 1980 in Wolfsburg geboren, in Höfer wuchs er auf. Im Jahr 2000 legte er sein Abitur am Gymnasium Ernestinum in Celle ab. Er promovierte in Medizin, ein Informatik-Studium brach er ab. Bekannt wurde der Sohn syrischer Einwanderer im Jahr 2008, als er das Unternehmen ResearchGate mitgründete. Bis heute ist er dort als CEO tätig. Weil es sich um ein soziales Netzwerk für Forscher handelt, wurde es in der Presse auch "Facebook für Wissenschaftler" genannt. Mitglieder des Netzwerks können über das Profil Forschungsergebnisse, Daten, Patente und Forschungsvorhaben austauschen. Auch Microsoft-Gründer Bill Gates investierte in das Berliner Start-up. Das Netzwerk hat heute rund 15 Millionen Mitglieder. An Selbstbewusstsein mangelt es dem 37-jährigen Höferaner ohnehin nicht. Mehrfach hat er betont, dass er mit ResearchGate den Nobelpreis gewinnen will.

Wenn er Leute wie Bill Gates oder den früheren US-Vizepräsident Al Gore treffe, ziehe er auch nur ein T-Shirt an, sagt Ijad Madisch. "Mein Credo ist: Es kommt darauf an, was im Kopf ist, und nicht darauf, was man anzieht." Den Medien-Hype um seinen Auftritt im Kanzleramt habe er gar nicht so genau verfolgt. "Klar, ich bekomme viele Nachrichten, auch von Freunden aus Celle." Beim Termin selbst sei sein legerer Kleidungsstil übrigens gar kein großes Thema gewesen. Die Kanzlerin, die er schon mehrfach getroffen hat, "kennt meinen Kleidungsstil". Für sie spiele das keine Rolle, "sie ist nicht so oberflächlich".

In den sozialen Medien kam der Höferaner richtig gut an. „Hach, @IjadMadisch – wie ich deinen Style feier!“, hieß es bei Twitter. "Auf die Birne kommt's an, nich auf die Hose. Alles richtig gemacht, @IjadMadisch!", kommentierte ein weiterer User. Oder auch: "Sehr geil, da heute in kurzer Hose aufzutauchen – Viel Erfolg im neuen Gremium." Es gab aber auch Kritik. "Bei aller Coolness und Hipness – wenn man eine Sitzung im Kanzleramt hat, könnte man ja schon mal die Kappe absetzen und sich optisch entsprechend kleiden", bemerkte ein Twitter-User.

Vom Digitalrat verspricht sich der Mann aus Höfer einiges. "Wir wollen etwas anpacken. Ich hätte das nicht gemacht, wenn ich davon nicht überzeugt wäre", sagt Ijad Madisch über seine Mitarbeit in dem Berater-Gremium. Und vielleicht liege in dem Hype um seinen Kurze-Hosen-Auftritt ja auch eine Chance. Kommunikation sei immer eine Möglichkeit, ein Thema nach vorne zu bringen. "Es geht darum, dass jeder in Deutschland von der Digitalisierung profitiert." Und seine Perfomance hat ja zweifellos dazu beigetragen, die Arbeit des Gremiums bekannter zu machen.

Seine Eltern Abdullatif und Muchlisa Madisch, die sehr stolz auf ihren Sohn sind, nahmen die Aufregung gestern in Höfer gelassen hin. "Er ist alt genug. Er muss wissen, was er anzieht", sagte Mutter Muchlisa mit einem Lächeln. "Die Hauptsache ist doch, dass der Kopf in Ordnung ist".

Von Simon Ziegler

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