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Eschede Drei K up Platt
Celler Land Eschede Drei K up Platt
18:24 05.02.2014
Von Maren Schulze
Gemütliche Runde: Klönen, Kaffeetrinken und Vorlesen - macht den Mitgliedern der Plattdeutschen Runde in - Endeholz Spaß. Quelle: Maren Schulze (2)
Endeholz

Plattdeutsche Döntjes, Kaffee und Kuchen servieren sich die Teilnehmer an der Plattdeutschen Runde in Endeholz immer am ersten Montag im Monat gegenseitig. Denn bei der bunten Schar handelt es sich um einen Vorlese- und Gesprächskreis. Moderiert vom Endeholzer Hans Türschmann kann jeder Geschichten und Gedichte „up Platt“ vortragen und die anderen und sich selbst auf diese Weise bereichern. Die „drei K“ nennen es die Plattsnacker und meinen damit Kaffee, Kuchen und Klönen. Es gibt Bodderkoken (Butterkuchen) und… ja, wie heißt denn nun Bienenstich auf Plattdeutsch? Da muss auch Hans Türschmann passen, weder die plattdeutschen Wörterbücher noch Google können weiterhelfen, dieser Kuchen muss also weiter auf Hochdeutsch benannt werden.

Platt als eigene Sprache

Und damit wird schon klar, dass Plattdeutsch eben mehr ist als nur ein Dialekt. Plattdeutsch ist eine eigene Sprache. Es gibt hochdeutsche Wörter, die gibt es nicht auf Platt und andersherum. Und auch, wer heute vielleicht nur noch Platt verstehen, aber selbst nicht so gut sprechen kann, weiß, dass Platt auch sehr charmant viel weniger charmante Umstände des Lebens beschreiben kann, als es das Hochdeutsche vermag.

Lustiges und Besinnliches

Während am Gasthaus Marwede in Endeholz, Treffpunkt der Plattsnacker und ansonsten schon längst geschlossen, ein Trecker vorbeiknattert, hat Jürgen Marwede beim Vorlesen „einen Kurzen vorweg“. Und liest von der Afthek (Apotheke), in der die Buddel (Flasche) mit Alkohol jeden Morgen leddig (leer) ist. Bis der Apotheker eines Tages einen Zettel an der Flasche anbringt: „Dat mookt blind.“ (Das macht blind.) und am kommenden Morgen eine nur mehr halbleere Flasche vorfindet mit der Anmerkung „Een Oog heff ick riskeert.“ (Ein Auge habe ich riskiert.) Große Heiterkeit unter den vorwiegend im Seniorenalter befindlichen Zuhörern. Genauso wie bei den plattdeutschen Witzen von Hans Türschmann oder der Geschichte vom Schinkenschlagen, als der Viehhändler dem Bauern 1000 Mark dafür bietet, der Bäuerin mal so richtig „up ‚n Moors“ (den Allerwertesten) schlagen zu dürfen. Es bleibt beim Streicheln und der Viehhändler erklärt dem übertölpelten Bauern in bestechender Logik, warum: Der Schlag würde schließlich 1000 Mark kosten… Neben lustigen gibt es auch besinnliche Töne. Herta Adlung, ihr mittlerweile verstorbener Mann Georg-Wilhelm Adlung war der erste Moderator der Runde, liest ein Gedicht der Oldendorferin Emma Martens über den Frühling vor. Ein Gedicht über die Kraft des Windes folgt und ebenso eine Geschichte über gute Nachbarschaft. Favorisierte Autoren unter den Plattsnackern sind Carl-Friedrich Bautsch aus dem Kreis Uelzen, Hermann Bärthel, Gerd Spiekermann, aber auch Yared Dibaba vom NDR.

Mit 22 Teilnehmern ging es 1991 los mit der Plattdeutschen Runde. Damals waren 21 Endeholzer mit von der Partie und ein Marweder. Heute kommen zu den Treffen rund 40 Leute und das Einzugsgebiet hat sich ausgeweitet. „Interessierte sind immer herzlich willkommen“, sagt Hans Türschmann. Wer mag, kann einfach vorbeischauen.

So hat die Endeholzer Runde beispielsweise Zuwachs bekommen. Ein ehemaliger Soldat, der aus Bayern stammt, hat den festen Vorsatz gefasst, Plattdeutsch zu lernen. Die älteste Teilnehmerin der Runde ist mit 96 Jahren Johanna Schulz aus Habighorst, die bereits vom ersten Tag an dabei ist. Sie verschenkt in der Pause manchmal plattdeutsche Bücher an interessierte Mitstreiter, weil sie möchte, dass die Bücher in interessierten Händen bleiben, auch wenn sie selbst irgendwann nicht mehr am Leben ist.

Erinnerung an die Kinderzeit

Wie für so viele aus dem Kreis ist Plattdeutsch auch Erinnerung. An frühere Zeiten, an Kindertage, die Zeiten, in denen Plattdeutsch noch Alltagssprache war. Doch mehr und mehr setzte sich das als vornehmer geltende Hochdeutsch auch Zuhause durch, denn schließlich sollten die Kinder in der Schule mithalten können. Plattdeutsch war die Sprache der Omas und Opas und heute können auch die es oft genug nicht mehr. Ein Nachwuchsproblem also für die Plattsnacker. Wettbewerbe wie „Schöler lest Platt“ und auch Musikwettbewerbe wie die „Plattsounds“ sollen Platt am Leben halten. Im Landkreis Celle gibt es neben der Endeholzer Runde vielfältige Aktivitäten rund ums Plattdeutsche. Neben Laientheater, Schulaktivitäten zum Beispiel auch die Plattdüütsche Gill aus Celle. Die Plattdeutschen sind untereinander auch gut vernetzt, zum Beispiel pflegt die Endeholzer Runde auch Austausch mit den Plattsnackers ut Hössen (Hösseringen), die das ganze Jahr über zu Treffen im Haus am Landtagsplatz zusammenkommen. In Endeholz dauert die Plattsaison, in der häufig auch Gäste eingeladen werden, „nur“ von Oktober bis April. Plattfans können über den Sommer dann neue Geschichte zusammentragen oder sich dem Thema Platt eher wissenschaftlich annähern, zum Beispiel über den „Atlas der Celler Mundart“ von Richard Mehlen, der mit genauen Karten zur regional verschiedenen Aussprache ein- und desselben Begriffs aufwartet. Ansonsten gilt für die Rettung der plattdeutschen Sprache einer der Lieblingssprüche Hans Türschmanns: „Nich bloots snacken, taupacken.“