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Eschede Ein Fest für Eschedes Ehrenbürger
Celler Land Eschede Ein Fest für Eschedes Ehrenbürger
18:44 23.05.2014
George Tabori (links) und Heinrich Lange begegneten sich bei der Eröffnung des zweiten Heide(n)spektakels am 25. Mai 1989. Quelle: Hans-Jürgen Mügge-Luttermann (Archiv)
Eschede

Als George Tabori am 8. Juli 2000 in der Johanniskirche die Urkunde für die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Eschede überreicht wurde, da war Heinrich Lange bereits achteinhalb Jahre tot. Er war bis dahin der einzige Ehrenbürger des Ortes, als gradliniger Bürgermeister beliebt und anerkannt wie keiner vor ihm. Am 17. Januar 1992 war er verstorben.

Mit einem Fest zu Ehren von Heinrich Lange und George Tabori würdigt die Gemeinde Eschede am Sonnabend, 31. Mai, um 19 Uhr im Heidegut Eschede ihre beiden Ehrenbürger. Die beiden auf den ersten Blick so gegensätzlichen Zeitgenossen sind sich am 25. Mai 1989 begegnet, Lange überreicht anläßlich der Eröffnung des zweiten Kulturfestivals „Heide(n)spektakel“ dem Schriftsteller und Theaterguru George Tabori vor der Flohrmühle einen Eimer mit Honig.

Ein Foto hat die Begegnung festgehalten: Es zeigt zwei stattliche Männer, mit allerdings sehr unterschiedlichem Habitus: Elegant schlank der eine, mit weißem Pullover, das Pepita-Sacko im Arm, die modische helle Hornbrille auf der großen Nase über dem grauen Schnurrbart, das vom Wind verwehte Haar keck in die Stirn und über die Ohren gefallen, und die grauen Koteletten im Wildwuchs. Aus den Augen sprüht Charme. Dagegen der andere kräftiger, mit zugeknöpftem Jackett, Schlips und Kragen, wie sie sein sollen; das Haar gescheitelt, die Koteletten gestutzt, die Ohren frei. Aber auch eine Hornbrille mit großen Gläsern, dezenter, dunkel die Fassung. Auch seine Augen strahlen. So sind die Niedersachsen, sturmfest und erdverwachsen. Beide lächeln sich freundlich an.

Beide sind von den Kriegen und mörderischen Verwerfungen des 20. Jahrhundert geprägt. Als Soldat in Frankreich und im Osten der eine, dann Gefangenschaft in Jugoslawien – wer den Krieg in seiner Grausamkeit empfindsam erlebt hat, wird anschließend aus gutem Grund Europäer. Der andere in Ungarn geboren, Jude, lebte in Berlin, als Hitler an die Macht kam. Er verbrachte die Kriegszeit auf dem Balkan und im Exil in den USA und in England. Sein Vater und ein Großteil seiner Verwandten starben im Gas.

Der eine wurde Landwirt, Funktionär in der Kommunalpolitik, in Vereinen und Verbänden, schließlich Bürgermeister zum Anfassen. Der andere traf in den USA auf Thomas Mann, Bert Brecht und Marylin Monroe, wurde Weltbürger, Künstler – und heiratet als vierte und bis zu seinem Tod letzte Frau die Schauspielerin Uschi Höpfner. Wie es der Zufall will: Ein Kind aus der Marinesiedlung in Eschede.

Beide, Heinrich Lange und George Tabori, waren und sind Sympathieträger, beide an anderen Welten und Menschen interessiert. Beide auch charismatische Menschenfänger, die das Leben, Erleiden und Erkennen geprägt hat. Sie haben die Konsequenzen daraus gezogen und sind auf die Menschheit zugegangen, jeder in seinem Metier. Deshalb hat Eschede diese Ehrenbürger. Am 24. Mai wäre Tabori 100 Jahre alt geworden. Das kommt noch dazu.

Zwei Künstler, die viele Jahre eng mit George Tabori zusammengearbeitet haben, beteiligen sich an der Veranstaltung für Eschedes Ehrenbürger: Aus Kalifornien kommt einer der berühmtesten Komponisten von Musicals, Opern, Filmmusiken und Kammermusik: der inzwischen 82-jährige Stanley Walden. Aus Berlin der Schauspieler und Professor für Schauspieler in Theater, Film und Fernsehen, Detlef Jacobsen. Daneben sind an der Veranstaltung beteiligt: Klaus Rathert, Klaus Drögemüller und Wend Kässens.

Der Eintritt zur Veranstaltung ist frei. Eintrittskarten gibt es in Eschede bei Lüchau und Nölke oder im Rathaus unter Telefon (05142) 41120. Wend Kässens

Von Wend Kässens