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Eschede "Emmas Glück" als Plädoyer für das Leben
Celler Land Eschede "Emmas Glück" als Plädoyer für das Leben
18:46 29.10.2017
Quelle: Michael Schäfer
Scharnhorst

Nicht die Schaukel in der Mitte des Bühnenbildes ist stellvertretend für die Kindheit der kleinen Emma, sondern das Beil auf dem Hackklotz. Der Tod war von Beginn an Teil ihres Daseins auf dem kargen Schweinehof. „Schon der Urgroßvater nahm diese Messer zum Schlachten“, erzählt sie, und heute nutzt sie die scharfen Klingen.

So eindringlich schildert sie, wie der Großvater Spatzenjunge an die Wand warf und das Mädchen zuschauen musste, dass es für manchen Zuhörer zur Herausforderung wird. Sie reflektiert das herzlose Gebaren vorangegangener Generationen und das Leid der Tiere, wenn diese ihr nahes Ende spüren, und doch setzt sie den traditionellen Gelderwerb des Schlachtens fort. Es gibt kein Entrinnen aus den Notwendigkeiten des Alltags und des Überlebens. „Alle sind sie tot – zum Glück“, schreit sie heraus, während sie sich auf der Schaukel eindreht. Übrig blieb ein Mensch mit verletzter Seele und Sehnsucht nach Liebe. „Lieber Gott, mach mich reich oder glücklich“, betete schon die kleine Emma. Das Einpersonenstück nimmt märchenhafte Züge mit dem Tod als Hauptakteur an, als der sterbenskranke Max mit seinem gestohlenen Ferrari auf dem Gehöft strandet. Ein kurzer Moment des Glücks ist Emma mit Max vergönnt, bevor ihr alter Vertrauter aus Kindheitstagen ihm ein Ende setzt, ihrer unbändigen Lust zu leben jedoch nichts anhaben kann.

Kerstin Wittstamm von der Freien Bühne Wendland spielt dieses Plädoyer für das Leben mit einer Intensität, die von der ersten Minute an in den Bann zieht, gar nichts anderes zulässt, als fasziniert zu sein von der Kunstfigur Emma und der Darstellerin unter der Regie von Caspar Harlan nach dem Roman von Claudia Schreiber. Wiederum großes Theater auf den Wirtshausbrettern in Scharnhorst.

Von Anke Schlicht