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Eschede Molkerei Eschede schließt nach 95 Jahren
Celler Land Eschede Molkerei Eschede schließt nach 95 Jahren
18:12 28.12.2018
Von Carsten Richter
Günter Strauß hat den Betrieb in dritter Generation geführt. Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Dort, wo sich über Jahrzehnte hinweg große Milchtanks befanden, wo Mitarbeiter an den Maschinen standen, wo immer emsiges Treiben herrschte, ist es ruhig geworden. Statt der Wärme, die die Geräte abgaben, durchzieht nun kalte Luft die leeren Räume. Wer die Gegebenheiten nicht kannte, kann sich höchstens vorstellen, wie es hier einmal ausgesehen hat. Mit dem Jahreswechsel endet in Eschede ein langes Stück Dorfgeschichte: Die Molkerei August Strauß an der Gartenstraße stellt nach 95 Jahren ihren Betrieb ein.

Verträge in Uelzen unterschrieben

Kein einfacher Schritt für Günter Strauß, der den Betrieb 1986 von seinem Vater übernommen hatte und die Geschicke des Unternehmens seitdem lenkte. Trotzdem ist der 69-Jährige überzeugt: "Es ist der richtige Zeitpunkt." Beruhigend für ihn, aber auch für sein Personal und die Milchbauern ist die Tatsache, dass geklärt ist, wie es ab Januar weitergeht. Sowohl die Lieferanten als auch die Molkerei-Mitarbeiter haben Verträge beim Milchverarbeitungsunternehmen Uelzena unterschrieben. "Mir war es wichtig, dass es einen moderaten Übergang gibt und niemand auf der Strecke bleibt", sagt Strauß.

Milch von 46 Betrieben bezogen

Aus Altersgründen gibt er den alteingesessenen Betrieb schweren Herzens auf, Nachfolger innerhalb der Familie gibt es nicht. Sein Entschluss, sich aus dem Geschäft zurückzuziehen, steht allerdings schon länger fest. Dazu beigetragen hat auch, dass die Frischli-Milchwerke in Rehburg, die seit mehr als 35 Jahren als Abnehmer der Milch fungierten, ihre Strategie für die Rohstoffversorgung geändert haben. In diesem Zusammenhang wurde der bestehende Milchliefervertrag zum 31. Dezember gekündigt. "Unser Ziel war es immer, den Milcherzeugern einen marktgerechten und guten Preis zu zahlen", sagt Strauß. Von 46 Landwirtschaftsbetrieben hat die Escheder Molkerei zuletzt ihre Milch bezogen. Vom 1. Januar an wird Uelzena neuer Abnehmer, Strauß hatte die betroffenen Landwirte im Sommer darüber informiert. Da Uelzena eine Genossenschaft ist, mussten die Milchbauern Anteile zahlen.

Fahrzeuge bleiben in Eschede

Sonst ändert sich für sie aber zunächst nichts: "Beide Milchsammelwagen werden von Uelzena übernommen, erstmal bleibt der Standort für die Fahrzeuge aber der aktuelle Platz an der Molkerei, so dass sich für die Fahrer nichts Wesentliches ändert", erklärt Strauß. Uelzena habe ihre Leistungsfähigkeit in den vergangenen Jahren stets verbessert, Strauß sieht seine Mitarbeiter und Fahrer daher künftig in guten Händen. Die geringe Entfernung nach Uelzen habe zudem zu der Aufnahme von Gesprächen geführt. "Ich bin davon überzeugt, dass das Konzept der Uelzena eine gute Lösung ist."

1923 fing alles an

Mit der Schließung der Molkerei geht in Eschede eine Ära zu Ende. 1923 hatte Günter Strauß' Großvater August den Betrieb gegründet. Die Milchanlieferung war anfangs so gering, dass nur mit Rohmilch gehandelt wurde, doch das Einzugsgebiet wurde in den Vorkriegsjahren größer, 1949 war die Zahl der Milcherzeuger auf etwa 170 angestiegen – ein Spitzenwert. Im Laufe der Zeit vergrößerte sich nicht nur der Kreis der Lieferanten, auch die Technik der Verarbeitung änderte sich stetig.

Mehr Lieferanten und mehr Technik

Eine Zäsur war 1973 die Umstellung der Milchanfuhr: Sie wurde seitdem nicht mehr in Kannen, sondern auf Tanksammelwagen angeliefert. Ende der 1980er Jahre wurden erste Computer angeschafft, inzwischen sind die Fahrzeuge hochmodern mit GPS ausgestattet. Durch Fusionen und Schließungen anderer Molkereien bekam Strauß immer mehr Lieferanten, die Milchsammelwagen waren auch nachts zu Frischli nach Rehburg unterwegs.

All das ist nun vorbei. Strauß hofft, dass sich ein Nachfolger für die Nutzung der Immobilie und Gewerbeflächen findet.

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