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Eschede Ergebnisoffen und ergebnislos
Celler Land Eschede Ergebnisoffen und ergebnislos
07:32 16.02.2012
Hˆfer Einwohnerversammlung Fusion Einheitsgemeinde Quelle: Isabell Prophet
Höfer

HÖFER. Er hat das alles schon erlebt, in einem kleinen Dorf im Emsland, damals, vor 40 Jahren. Friedhelm Ottens von der Projektgruppe Zukunftsvertrag im niedersächsischen Innenministerium wollte in seinem Vortrag Überzeugungsarbeit für eine Einheitsgemeinde leisten. Rund 100 Bürger der Samtgemeinde Eschede, vornehmlich aus Höfer, folgten am Dienstag der Einladung zur Einwohnerversammlung.

Schuldig blieb er eine nachvollziehbare Antwort auf die Frage nach der Schuldenhilfe ohne Fusion, spart letztere der Samtgemeinde schließlich nicht einmal 13.000 Euro im Jahr. Auf Nachfrage von Moderator Hans-Heinrich Thies nannte Ottens zwei Gründe: „Erstens - das Gesetz lässt es nicht zu“, sagte er den sichtlich irritierten Höferanern, „zweitens werden Entscheidungsprozesse vereinfacht, wenn es nur noch einen Rat gibt.“ Eine Samtgemeinde sei „nicht vernünftig, wenn es um den Anschluss an Lachendorf geht.“

Der Anschluss an Lachendorf, in Höfer seit Langem gewünscht, in Lachendorf ein rotes Tuch, am Dienstagabend in Ottens‘ Worten „das Endziel“.

„Man will uns in etwas hineinschieben, was schon vor vielen Jahren gescheitert ist“, kommentierte Anwohner Gernot Busch unter zustimmendem Gemurmel der Anwesenden. „Unbefriedigend“, befand Rainer Nitze, „die Herren kommen von weit her, aber sie sind ohne Konzept gekommen.“

„Es ist schade, wie hier von politischen Akteuren Stimmung gemacht wird“, bedauerte Marc Dornbusch im Anschluss. Der stellvertretende Bürgermeister Habighorsts sprach sich im vergangenen Herbst gemeinsam mit den meisten anderen Ratsmitgliedern der Gemeinden für die Einheitsgemeinde aus. Nun hängt die Entscheidung an Höfer. Hier votierte im Herbst eine deutliche Mehrheit gegen die Fusion. Ottens stellte fest: „Es tut mir in der Seele weh. Sie können sagen, da ist der Schnösel aus Hannover. Aber ich möchte nicht in der Haut der Ratsmitglieder stecken.“

Diese hatten sich von der Einwohnerversammlung mehr erhofft. Heinrich Garbers (CDU): „Wir sind heute Abend nicht schlauer geworden. Ich dachte, die Höferaner würden sagen was sie wollen. Wir haben das zu entscheiden, aber was fehlt, ist ein klarer Auftrag.“

Was die Höferaner wirklich wollen, ist im Gebietsänderungsvertrag längst festgehalten. Der Erhalt von Bädern zum Beispiel. Allerdings „unter Beachtung der Wirtschaftlichkeit“ und „unter Berücksichtigung der Belange der Bevölkerung“ - nichts anderes gilt für jedes andere öffentliche Schwimmbad. Gleichsam löste die geforderte „Bindung an sparsame Haushaltsführung“ Stirnrunzeln bei den Verwaltungsmitarbeitern aus, ist diese doch durchaus selbstverständlich.

Der Wille zur Mitarbeit ist da, auch die Escheder suchen den Dialog: „Ich würde gerne in eine Arbeitsgruppe gehen“, sagte Renate Stauche. Dafür jedoch bleibt keine Zeit mehr. Ottens sagte, dass rund 450 Millionen Euro bislang in Entschuldungshilfen verplant seien. 900 Millionen Euro stünden insgesamt zur Verfügung, diese würden bis zum Ende des Jahres gebunden sein. „Mit Hildesheim verhandeln wir über 150 Millionen. Das Land hat es nicht nötig, dass die Samtgemeinde Eschede zu einer Einheitsgemeinde wird.“

Von Isabell Prophet