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Eschede Erinnerung an Peter Deutschmann
Celler Land Eschede Erinnerung an Peter Deutschmann
17:24 10.08.2010
In Eschede haben gestern Menschen an den gewaltsamen Tod von Peter Deutschmann erinnert. An der Stelle soll ein Findling auf sein Schicksal aufmerksam machen. Quelle: Joachim Gries
Eschede

Ein gutes Dutzend Menschen hat gestern am Ortsrand von Eschede an einer Gedenkfeier für Peter Deutschmann teilgenommen. Provisorisch aufgestellt wurde auch ein Gedenkstein, der an das Opfer rechtsextremer Gewalt erinnern soll. Nach dem Willen der Teilnehmer der gestrigen Feier soll der Stein mit einer Inschrift oder einer Schrifttafel permanent an das Schicksal des 44-jährigen Deutschmanns erinnern, der am 10. August 1999 in seiner Wohnung von zwei Neonazis durch Schläge und Tritte so malträtiert worden, dass er an den Folgen seiner Verletzungen starb.

Die beiden Täter aus Eschede waren später zu Jugendstrafen verurteilt worden. Während Johannes K. sich später von der rechtsextremen Szene abwandte und heute in Berlin Theologie studiert, ist Marco S. in der Nationalen Offensive Schaumburg, einer so genannten Freien Kameradschaft, aktiv und war immer wieder Besucher der Sonnwendfeiern auf dem Hof Nahtz in Eschede.

Pastor Klaus Burckhardt, Beauftragter für Friedensarbeit der Landeskirche Hannover“, erinnerte in seiner Trauerrede an Peter Deutschmann. „Kurz vor der Tat hatte er noch im Zentrum von Eschede mit den jungen Tätern getrunken, hatte sie wegen ihrer rechtsextremen Lebensweise gemaßregelt. Später kamen sie zu ihm. Arglos öffnete er ihnen die Tür. Sie schlugen ihn und traten ihn hier zu Tode“, sagte Burckhardt.

Alle Menschen seien vor dem Gesetz gleich, ihre Würde sei unantastbar und unteilbar. Das bedeute, jeder Mensch habe ein Recht auf Leben, auf Gesundheit und Wohlergehen, auf Sicherheit und Schutz vor Erniedrigung, erläuterte der Pastor. „Für Rechtsextreme gilt dies offensichtlich nicht. Seit 1990 haben sie in Deutschland über 140 Menschen ermordet“, sagte Burckhardt.

Er finde es schlimm, dass elf Jahre nach der Tat in Eschede immer noch kein Gedenkort an diese Tat und an das Opfer Peter Deutschmann erinnere. „Wir legen hier heute diesen Findling als einen Mahn- und Stolperstein nieder gegen den Neonaziterror von heute“, sagte der Pastor.

Eschedes Gemeindedirektor Günter Berg bestätigte, dass sich der Verwaltungsausschuss der Gemeinde mit dem Thema Gedenkstein befassen wird. „Ich werde dafür votieren, dass wir es machen“, sagte Berg. Kosten werden der Gemeinde nicht entstehen, das sagte der Unterlüßer Pastor Wilfried Manneke zu. Den Findling spendierte Landwirt Carl Wilhelm Kuhlmann aus Niederohe.

In Unterlüß findet in Kürze unter dem Titel „Gemeinsam gegen Rechts“ ein Tagesseminar des Netzwerkes gegen Rechtsextremismus statt. Die Escheder Johanniskirchengemeinde, die sich ebenfalls gegen Rechtsextremismus engagiert, hat für den 21. August eine Busfahrt zur Gedenkstätte Bergen-Belsen organisiert. Anmeldungen nimmt das Pfarrbüro der Kirche entgegen, s (05142) 685.

In Eschede haben gestern Menschen an den gewaltsamen Tod von Peter Deutschmann erinnert. An der Stelle soll ein Findling auf sein Schicksal aufmerksam machen.

Von Joachim Gries