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Eschede Ernst Schulze – Eine ungewöhnliche Veranstaltung im Grethehof
Celler Land Eschede Ernst Schulze – Eine ungewöhnliche Veranstaltung im Grethehof
13:06 25.09.2017
In einem kleinen Puppenspiel wurde Schulzens Aufenthalt auf Habighorst als Sechszehnjähriger im Jahr 1805 dem Publikum nahe gebracht. Quelle: Oliver Knoblich
Habighorst

Ernst Schulzes Verbundenheit mit dem Rittergut Habighorst ist bislang kaum bekannt gewesen. Als Jugendlicher hat sich der spätere Romantiker Schulze bei seinen Aufenthalten auf diesem Gut gerne in der Bibliothek vergraben um dort allerlei Deutsches und Französisches, vor allem Ritter- und Feenmärchen zu lesen. In einem kleinen Puppenspiel wurde Schulzens Aufenthalt auf Habighorst als Sechszehnjähriger im Jahr 1805 dem reichlich erschienenen Publikum nahe gebracht. Das war interessant und lehrreich, nur konnten leider viele Anwesende das Puppenspiel nicht wahrnehmen, da es fast ebenerdig gespielt wurde und somit nur die erst Reihen eine Chance hatten, dieses Spiel zu sehen. Das war ein bißchen schade. Da das Spiel aber teilweise gedoppelt wurde durch die sprechenden Laiendarsteller hatten letzlich doch alle etwas von diesem Programmteil.

Bis vor kurzen war Schulze höchstens Schubert-Kennern oder Kennern der literarischen Salons des frühen 19. Jahrhunderts bekannt. Dort soll er weit verbreitet gewesen sein. Auch und gerade in Wien. Auch der große Komponist Franz Schubert muss dessen Gedichte gekannt haben, denn er hat einige vertont. Und zwar nicht nur als Solo-Lieder mit Klavier sondern auch als Chorgesänge. Einen davon konnte man im Rahmen des Abends „Ernst Schulze mit Rittern und Feen in Habighorst“ erleben. Das Vokalensemble Ernst Schulze stellte Schuberts Schulze-Vertonung „Ewige Liebe“ in Habighorst vor. Und man staunte nicht schlecht, wie gut hier Schulzes Text zur Wirkung kam. Ganz anders als bei zwei Vertonungen von Georg V von Hannover, dessen Kompositionsversuche hörbar nicht über bemühtes Laienniveau hinausging.

Eingangs des Abends erläuterte Klaus Drögemüller als einer der Initiatoren des Abends die Bedeutung und geschichtlichen Vorgänge rund um das Rittergut. Hermann Wiedenroth ließ mit seinem bewährt altväterlichen Lesestil ein paar Schulze-Texte und einen Wieland-Text lebendig werden. Der Lesestil des Rezitators passte zu dieser Art von Texten sehr gut, wenngleich es Wiedenroth nicht immer gelang die inhaltlichen Fäden klar zu vermitteln. Man konnte aber durchaus erahnen, welch origineller und sprachstarker Dichter Schulze hätte werden können, wenn er nicht schon 1817 von einer Lungentuberkulose dahingerafft worden wäre.

Von Reinald Hanke