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Eschede Eschede rätselt über Verbleib des Turner-Denkmals
Celler Land Eschede Eschede rätselt über Verbleib des Turner-Denkmals
16:36 03.01.2014
Wo ist das Denkmal geblieben, mit dem die Escheder Sportler ihrer Gefallenen gedachten? Das Denkmal zur Jahrhundertfeier der Völkerschlacht 1813 steht auch heute noch in Eschede (kleines Foto).  Quelle: Joachim Gries
Eschede

Als vor einigen Wochen in Eschede zum Volkstrauertag ein Bild des sogenannten Jahrhundertdenkmals an der Ecke Celler Straße / Rebberlaher Straße veröffentlicht wurde, da kam Friedhelm Anderssen ins Grübeln. Der langjährige Schriftwart des TuS Eschede erinnerte sich, dass in den Unterlagen aus der Vorgeschichte des Vereins von einem Denkmal zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Turnbrüder die Rede war. Seine Vermutung: Die Grundsteinlegung für das abgebildete Denkmal in Eschede sei nicht am 18. Oktober 1913 erfolgt, sondern erst später, um an die Toten des Ersten Weltkriegs zu erinnern, und die Tafel mit der Inschrift „Vergiss, mein Volk, die treuen Toten nicht! 1813 – 1913“ sei den Findlingen erst später, vermutlich mit dem Vereinsverbot der Freien Turnerschaft von 1924 im Jahre 1933 hinzugefügt und das Denkmal somit umgewidmet worden. Dem war aber nicht so.

Tatsächlich hat Anderssen Recht, dass der Turnverein Einigkeit ein Denkmal errichtete, das beim Bezirksturnfest 1921 enthüllt wurde. „Das nötige Geld zum Bau desselben wurde durch Sammlungen an Turnabende und Versammlungen herbeigeschafft“, heißt es in den Protokollen des MTV Einigkeit. Die Steine stammten danach von Hofbesitzer Karl Schütze aus Eschede und Hofbesitzer Lilje in Scharnhorst, von Bäckermeister Dobberkau und Hofbesitzer Heinrich Benecke aus Eschede. Einige Turnbrüder machten sich nach den Protokollen besonders verdient um das Heranschaffen der Steine und die Herrichtung des Denkmals.

Tatsächlich erfolgte 1921 die Grundsteinlegung, im Februar 1922 veranstaltete der Verein einen Unterhaltungsabend zusammen mit dem Männergesangverein Germania und überwies anschließend 4000 Mark an den Denkmalsfonds. Es war die Zeit der Inflation.

1923 erfolgte die Einweihung des Turner-Denkmals. Der Plattenstein trug die Inschrift „Seinen im Weltkrieg gefallenen Brüdern – Turnverein Einigkeit“ und darüber ein Eisernes Kreuz mit den Jahreszahlen 1914 und 1918. Sechs Eichen wurden von örtlichen Vereinen rings um das Denkmal gepflanzt. Es stand am Rande des Glockenkolks unweit des damals noch hölzernen Schlauchturms der Feuerwehr. 1920 war der Glockenkolk für Turnzwecke freigegeben worden, er wurde in den Folgejahren zum Sportplatz aufgewertet. Deshalb heißt es im Protokoll auch: Anlässlich des Volkstrauertages wurde am 1.3.1931 durch eine Abordnung für die Gefallenen am Denkmal auf dem Sportplatz ein Kranz niedergelegt.

Den Bau eines Denkmals zum 100. Jahrestag der Völkerschlacht bei Leipzig hatte der Escheder Gemeinderat am 13. Oktober 1913 beschlossen: „Die Errichtung eines Denkmals auf dem Platz vor dem „Consumverein“ zur Erinnerung an die Jahrhundertfeier wird einstimmig genehmigt. Der Grundstein soll am 18. Oktober gelegt werden“ , hieß es im Protokoll. Im Januar 1914 schlug Ratsmitglied Schütze vor, den Platz um das Denkmal Leipziger Platz zu nennen. Bis Ende Januar 1914 waren für das Denkmal einschließlich der gärtnerischen Anlagen Kosten von 349 Mark aufgelaufen. Für einen Denkmalsfonds waren 375 Mark gesammelt worden, so dass noch Geld für eine Umzäunung vorhanden war. Auch wurde in der Sitzung am 25. Januar 1914 vom Gemeinderat ausgelost, in welcher Reihenfolge die neun Eichen um das Denkmal angepflanzt werden sollten. Im April 1914 erhielt Schlossermeister Bidenharn den Auftrag, das Gitter um das Denkmal anzufertigen, er hatte das günstigste Angebot abgegeben.

Heute gibt es nur noch das Denkmal an der Celler Straße. Von einst neun Eichen sind nur sechs vorhanden. Es existieren noch Postkarten aus den 1920er Jahren, die das Denkmal sogar dem Deutsch-französischen Krieg von 1870/71 zuordneten. Das Turnerdenkmal am Rande des Glockenkolks, nur ein paar Steinwürfe weiter, gibt es schon lange nicht mehr. Vielleicht weiß einer der Leser, wann es verschwand.

Von Joachim Gries