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Eschede Escheder Frauenchor im Aufwind
Celler Land Eschede Escheder Frauenchor im Aufwind
18:29 14.11.2014
Chorleiterin Maike Ostermann (links) mit dem Frauchenchor Eschede beim "Aufwärmen" vor der Probe. Quelle: Alex Sorokin
Eschede

Als Bianca Heiland im Frühjahr 2013 dem Frauenchor Eschede beitrat, wollte sie singen. Doch schon wenige Monate später sah es so aus, als ob nach 62 Jahren der Chor sein letztes Lied anstimmen würde. Denn nach dem Ausscheiden der Chorleiterin fand sich keine Nachfolgerin. Damit wollte sich Heiland aber nicht abfinden und wandte sich an die Öffentlichkeit, auch über die CZ. Und auf Umwegen erfuhr Maike Ostermann aus Hannover von dem Escheder Chor in Nöten: Die Mutter einer Ex-Kommilitonin hatte die Geschichte gelesen und ihrer Tochter davon erzählt. Die gab die Information weiter, wenig später war die heute 28 Jahre alte Musikerin in Eschede und stellte sich vor. Schnell wurde man sich einig

„Man merkt gleich, ob die Chemie stimmt“, sagt Ostermann. Hinzu kam, dass sie jeden zweiten Montag frei hatte und damit Zeit für Chorproben in Eschede. Sie lebt davon, Chöre zu leiten. Montags bis donnerstags ist sie in Sachen Gesang unterwegs und hat mit sehr unterschiedlichen Klangkörpern zu tun. Zum Beispiel die Kantorei in Bad Nenndorf oder mehr Richtung Jazz und Gospel in Hannover-Linden. Vormittags gibt sie noch Unterricht an der Musikschule. „Typisches Künstler-Patchwork“, sagt Ostermann. Studiert hat sie an der Musikhochschule Hannover, zuerst Kirchenmusik, dann darstellendes Spiel.

„Man kann aus dem Erfahrungsschatz schöpfen“, sagt sie über den Escheder Frauenchor. Viele Mitglieder singen seit über 40 Jahren mit. Da ist sie mit ihren 28 Jahren mit weitem Abstand die Jüngste. Doch ihre Lockerheit kommt bei den Escheder Frauen gut an. Zu Beginn der Probe geht es mit Gymnastik los. Die Arme werden in die Höhe gestreckt, die Schultern bis zu den Ohrläppchen hochgezogen, die Ohren geknetet, kleine Schubser mit dem Bauch ausgeführt.

Dann kommt auch die Stimme dazu „hmm, hmm, hmm“. „Euer Lieblingsessen zergeht gerade auf der Zunge“, ermuntert sie die 20 anwesenden Sängerinnen zu noch mehr Gefühl. „Wir inhalieren den Ton“, sagt sie wenig später und unterstützt diese Aussage mit ihren beiden Händen. Diese Art von Warm-up sei wichtig, damit die Stimme angewärmt wird. „Ich bin doch nicht zum Turnen hier“, auch diese Reaktion auf ihren Probeneinstieg bekam sie schon zu hören.

Und dann startet Ostermann mit den Proben für das Weihnachtskonzert am 12. Dezember in Eschede, an dem der Frauenchor teilnehmen wird. „Seht, zwischen Esel Ochs und Rind“, stimmt der Chor an. „Gar nicht mal so schlecht für den ersten Versuch. Wir müssen ein bisschen an der Balance arbeiten“, sagt Ostermann, singt die erste Strophe noch einmal vor und dann wird an den Feinheiten gefeilt.

Ein wenig später tun sich die Frauen ein wenig schwer bei „Es wird schon glei dumpa“, weil einige die hochdeutsche Version des Lieds im Kopf haben. Lockeres Mundwerk sei nötig, ermuntert Ostermann und fragt, ob noch eine Übersetzung nötig sei.

„Um jeden Chor, der stirbt, ist es schade“, sagt die junge Chorleiterin. Die Gefahr scheint in Eschede gebannt. Neben Bianca Heiland sind noch zwei Frauen um die 50 im Kreis der 23 Stimmen, weitere Verjüngung wäre nicht schlecht. Doch noch sind nicht alle Probleme gemeistert. Margret Schecker, seit 1987 Vorsitzende des Chors, wünscht sich eine Nachfolgerin. „Ich werde den Posten nicht los“, sagt die 75-Jährige.

Von Joachim Gries