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Eschede Eschedes Integrationsbeauftragte beschreitet neue Pfade
Celler Land Eschede Eschedes Integrationsbeauftragte beschreitet neue Pfade
19:55 20.11.2017
Quelle: Michael Schäfer
Eschede

Die Beedenbostelerin fungiert als Schnittstelle zwischen Kommune, Ehrenamtlichen und Geflüchteten. In ihre Aufgabe ist Labudde durchs Ehrenamt hineingewachsen. Im Oktober 2014 übernahm die gelernte Industriekauffrau die Familienpatenschaft für eine afghanische Familie sowie das Hauptamt für minderjährige Flüchtlinge. Sie absolvierte den Integrationslotsenpass und engagierte sich im Escheder Verein „Initiative Zusammen“. „Dadurch kannte ich die Ehrenamtlichen und Geflüchteten“, sagt sie.

Dieses Netzwerk erleichterte Labudde den Einstieg als Integrationsbeauftragte der Gemeinde. 30 Stunden in der Woche kümmert sie sich um die Geflüchteten und Migranten. In einer Tabelle schreibt sie Erfolge jedes einzelnen auf und behält so den Überblick. „Ich habe schon Praktika und Arbeitsplätze vermittelt“, erzählt die Integrationsbeauftragte nicht ohne Stolz. „Und ich habe es geschafft, dass alle Geflüchteten einen Deutschkursus besuchen.“ Der ständige Austausch mit der zuständigen Volkshochschule habe dabei geholfen.

Die Tätigkeit eines Integrationsbeauftragten folgt keinen starren Mustern, sodass die Beedenbostelerin das noch recht junge Berufsbild selber prägt und „neue Pfade beschreitet“, wie sie selbst sagt. Projekte sind ihr wichtig. In den Osterferien fand die Ferien-Uni zum Thema Nachhaltigkeit statt. Am kommenden Wochenende wird in der ehemaligen Oberschule in Eschede ein PC-Kursus für Frauen aller Kulturen angeboten. „Alle Projekte sind immer offen für alle“, betont Labudde. Auch Einheimische können die Angebote wahrnehmen.

Doch Labudde stößt hin und wieder auch an ihre Grenzen. Manchmal reiche die Zeit nicht aus. „Ich hätte gerne mehr Zeit, um noch kreativer zu sein“, sagt sie. Auch für den alkoholsüchtigen sudanesischen Flüchtling Muhsin (Name geändert), der seit Monaten seine Nachbarschaft in Atem hält (die CZ berichtete), ist Labudde zuständig: „Ich habe sein Vertrauen gewonnen und kann ihn beruhigen.“ Wenn Muhsin zur Flasche gegriffen hat und aggressiv wird, könne sie auf ihn einwirken.

Labudde sieht die Politik in der Pflicht, um Geflüchteten langfristig eine Perspektive in Deutschland zu bieten. „Es müssen flexible Lösungen für den Arbeitsmarkt entwickelt werden“, unterstreicht die Integrationsbeauftragte. Nur durch Ausbildung und Arbeit könnten die Geflüchteten selbstständig leben. Wenn starre Regularien den Zugang versperren, entstehe Frust und Stagnation, weiß Labudde – genau das wolle sie mit ihrem Einsatz verhindern.

Von Amelie Thiemann