Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Eschede "Eschenschnack" in Eschede mit vielen Fragen und wenigen Lösungen
Celler Land Eschede "Eschenschnack" in Eschede mit vielen Fragen und wenigen Lösungen
18:11 16.11.2017
Quelle: Michael Schäfer
Eschede

Das Thema mit dem meisten Diskussionsbedarf war die Nachnutzung des Glockenkolk-Geländes in Eschedes Ortsmitte. Das Areal mit 14 kommunalen Gebäuden soll umgestaltet und fit für die Zukunft gemacht werden. Dafür stehen Fördermittel in Höhe von 1,7 Millionen Euro bereit. Landschaftsarchitektin Christine Früh und Stadtplaner Eggert Sass stellten das Projekt vor. "Das ganze grüne Herz von Eschede ist das Thema", sagte Früh.

Bisher haben Früh und Sass lediglich eine Bestandsaufnahme vorzuweisen. "Wir wollen das Gute behalten und das Schlechte umkrempeln", kündigte die Landschaftsarchitektin an. So sei beispielsweise die Flohrmühle kaum sichtbar, der Bürgerpark habe "Entwicklungspotenzial", und zentrale Wegeverbindungen seien häufig nicht richtig gestaltet oder nicht barrierefrei. Ein besserer Zugang zur Kita sei das Ziel.

Ein Bürger kritisierte, dass es für eine Planung des Außenbereichs noch zu früh sei. "Es gibt noch so viele Fragen bei den Gebäuden", sagte der Escheder. "Diese sollten wir erstmal klären, bevor wir alles hübsch machen." Viele Zuhörer zeigten ihre Zustimmung mit Applaus. Landschaftsarchitektin Früh verteidigte das Vorgehen: "Wir müssen von beiden Richtungen gucken, dazu gehören die Freiflächen. Wir brauchen ein Konzept für die langfristige Entwicklung des Glockenkolks."

Architekt Sass ging auf die Gestaltung der Gebäude, die man unter den Aspekten Brandschutz, Barrierefreiheit und energetischem Zustand untersucht habe, ein. Man konzentriere sich auf den Langbau der ehemaligen Oberschule, der zugegeben "nicht unbedingt so charmant" sei. Das ließe sich jedoch architektonisch lösen. Auf einer Fläche von gut 2000 Quadratmetern sollen ein Jugendtreff sowie multifunktionale Räume für Verwaltung, Schule und Vereine entstehen.

Eine Bürgerin wollte wissen, ob die Nachfrage überhaupt untersucht worden sei. "Das haben wir fundiert recherchiert", versicherte Sass. Der Bedarf von Schule und Vereinen gehe sogar über die zur Verfügung stehende Fläche im Langbau hinaus. Auch die Unterhaltungskosten wären langfristig gering, "wenn das Gebäude viel genutzt wird", schränkte Sass ein. Dem ehemaligen Oberschulgebäude kommt laut Bürgermeister Günter Berg eine besondere Stellung im Glockenkolk-Areal zu, da dort die Energieversorgung untergebracht ist. Einen Verkauf und die Umwandlung in Wohnraum schließe er deshalb aus.

Ein konkretes Konzept müsse erst von Arbeitsgruppen erstellt werden, betonte Berg: "Wir sind noch nicht so weit." Ende des Monats nehmen die Gruppen die Arbeit auf. Es sei noch genug Zeit, schließlich laufe das Förderprogramm bis zum Jahr 2022.

Auch bei den anderen beiden Themenblöcke des "Eschenschnacks" – Förderprogramme zur Dorfentwicklung sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ging es nur unwesentlich konkreter zu. Die Ortsbürgermeister von Eschede, Habighorst und Höfer stellten ihre Projekte vor, für die Förderquoten von bis zu 95 Prozent im Raum stehen. "Manchmal zahlt es sich aus, zu warten", offenbarte Ortsbürgermeisterin Stephanie Bölke Eschedes Credo.

Kommentar: Zu zögerlich

Der "Eschenschnack" in Überlänge war symptomatisch für die Entscheidungsprozesse in der Gemeinde: Man will viel, doch eine klare Linie fehlt. Der Abend war mit Themen überladen, dabei hätte eine Diskussion nur zur Glockenkolk-Nachnutzung völlig ausgereicht. Die Fragerunde musste letztlich sogar abgebrochen werden, um nicht noch weiter in zeitlichen Verzug zu geraten – fatal bei einer Veranstaltung, die den Austausch mit den Bürgern fördern sollte. Die Gemeinde ist in der Zwickmühle: Einerseits will man die Escheder frühzeitig in die Planung miteinbeziehen, anderseits stehen die Arbeitsgruppen noch ganz am Anfang. Doch ohne konkrete Konzepte ist eine Diskussion für die Bürger frustrierend und führt eher dazu, dass die Zustimmung im Ort für das Projekt sinkt. Jetzt ist Handeln gefordert – und zwar schnell.

Von Amelie Thiemann