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Eschede Expertin Andrea Röpke gewährt in Eschede Einblicke in völkisches Weltbild
Celler Land Eschede Expertin Andrea Röpke gewährt in Eschede Einblicke in völkisches Weltbild
18:02 26.04.2018
Von Carsten Richter
Quelle: Oliver Knoblich
Eschede

Im Christopherushaus sprach Röpke vor rund 60 Zuhörern über ehemalige Reichsmusterdörfer wie Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich 2006 der NPD-Politiker Udo Pastörs Land gekauft hat. Und über nationale Kinderfeste, wie sie jedes Jahr in Jamel, einem winzigen und von Neonazis dominierten Dorf bei Wismar, stattfinden. „Diese Feste werden kombiniert mit Brauchtumsveranstaltungen. Hier werden vor den Kindern Hitler-Lieder gesungen“, sagt Röpke.

Seit Anfang der 1990er Jahre veröffentlicht die Journalistin Beiträge über die neonazistische Bewegung in Deutschland. In verschiedenen Untersuchungsausschüssen zur rechtsextremen Terrorgruppe NSU war sie schon als Sachverständige geladen. Für ihre unermüdlichen Arbeiten hat sich Röpke Anerkennung erworben. So hat ihr 2015 der Zentralrat der Juden in Deutschland den Paul-Spiegel-Preis für Zivilcourage verliehen.

Bei ihren Recherchen ist sie schon mehrfach tätlich angegriffen worden. Vom Landesparteitag der AfD 2016 in Mecklenburg-Vorpommern wurde sie ausgeschlossen. Auch bei den zwei Mal im Jahr stattfindenden Nazitreffen auf dem Hof Nahtz in Eschede war sie mit ihrem Team aus Fachjournalisten mehrfach vor Ort. Doch die Arbeiten werden ihr erschwert. „Die Veranstaltungen werden durch Wachdienste geschützt. Es sind auch Kinder dabei. Das sollte doch hellhörig machen. Aber es wird einfach weggeschaut“, sagt Röpke.

Nicht nur im Osten Deutschlands, sondern auch in der Lüneburger Heide ließen sich völkische Nationalisten seit Jahren nieder – auch wegen des Löns-Kultes. Kein Zufall sei es, dass nach der Befreiung 1945 Kriegsverbrecher wie Heinrich Himmler in Richtung Heide geflüchtet seien, so Röpke. Holocaust-Organisator Adolf Eichmann hat sich als Waldarbeiter und Hühnerzüchter getarnt in Altensalzkoth versteckt, erinnert sie. „Altnazis fühlten sich in der Heide wohl, sie wurden nicht belangt.“ Somit hielten sie sich in der Region. „Heute gibt es junge Rechte, die in der dritten oder vierten Generation ein völkisches Weltbild hegen und ihre Kinder auch so weitererziehen.“

Sorgen bereitet der Journalistin die zunehmende Vernetzung der Rechtsextremen innerhalb Europas, aber auch die Propaganda in den Social-Media-Kanälen. „Die AfD hat drei Millionen Likes bei Facebook – so viel wie keine andere Partei“, sagt Röpke. Es bestehe kein Grund zur Panik, doch es dürfe nicht länger weggeschaut werden. „Gegensteuern lässt sich am besten, wenn wir offen damit umgehen, dass in unserer Mitte Menschen wohnen, die die Gleichheit aller Menschen nicht anerkennen. Wir müssen uns verstärkt für unsere demokratischen Werte einsetzen und klare Grenzen ziehen. Für intensive Aufklärung ist es noch nicht zu spät.“

Es tut sich was in der Escheder Ortsmitte: Eine Firma ist derzeit damit beschäftigt, das Gebäude des ehemaligen Hadi-Marktes abzureißen. Das Sonderposten-Geschäft ist inzwischen wenige hundert Meter weiter gezogen und hat im früheren Penny-Markt – ebenfalls an der Bundesstraße 191 gelegen – neu eröffnet. Schnäppchenjäger kommen damit ebenso wie Bankkunden weiter auf ihre Kosten. Denn Hintergrund des Umzugs ist der Verkauf des ehemaligen Hadi-Geländes an die Sparkasse Celle, die einen Neubau ihrer Escheder Filiale plant.

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